Aus der Rede von Oberbürgermeister Frank Szymanski auf der 13.Tagung der Stadtverordnetenversammlung am 25. November 2009

„Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Cottbus bedankten sich am 8. November bei drei Bürgerrechtlern. Sabine Bürger-Wüst, Cornelia Jahr und Christoph Polster erhielten im Schloss Branitz die Ehrenmedaille der Stadt Cottbus.

Wir erinnern uns: Die Opposition hatte vor 1989 in Cottbus drei Keimzellen, die zunächst unabhängig voneinander existierten und sich später zunehmend vernetzten. Zunächst gab es seit Juli 1987 die Umweltgruppe Cottbus unter der Anleitung von Christoph Polster. Diese Gruppe wurde von Anfang an von der Staatssicherheit sehr ernst genommen. Sie galt als die „…gefährlichste…“ Kraft im Bezirk Cottbus. Die zweite Gruppe entstand im Bezirkskrankenhaus. Mittleres medizinisches Personal und Ärzte betrieben die Gründung einer Basisgruppe. Treibende Kraft war hier Sabine Bürger-Wüst. Sie war für die Staatssicherheit die „Rädelsführerin“, die Feindin des Sozialismus. Sabine Bürger-Wüst hatte U-Haft im Stasi-Gefängnis mit erkennungsdienstlicher Behandlung hinter sich. In ihr verbinden sich unnachahmlicher Mut und fröhlicher Optimismus. Das dritte Zentrum entstand am Theater. Mit den Stücken zur Perestroika-Zeit machte das Schauspielensemble den Cottbuserinnen und Cottbusern Mut. Die Politisierung der Gesellschaft machte im Herbst 1989 das Theater zur politischen Plattform des realen Lebens. Das alles ist mit dem Namen von Cornelia Jahr verbunden. Und am 16. November erhielt Pfarrer Christoph Polster von Bundespräsidenten Horst Köhler den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Christoph Polster war viele Jahre Mitglied des Stadtparlaments. Wir beglückwünschen ihn herzlich und denken an die stattliche Zahl der Gratulanten am 15. Dezember zu seinem 60. Geburtstag.

Unser Dank geht auch an die Kirchgemeinde St. Nikolai, das Staatstheater und das Menschenrechtszentrum, für die vielen Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums „20 Jahre friedliche Revolution“ hier in Cottbus. Es ist eine Veranstaltungsreihe entstanden, die sehr viel Zuspruch erfahren hat. In diesem Zusammenhang möchte ich für den Januar ein Treffen ankündigen zum Thema „20 Jahre Runder Tisch“ in Cottbus, zu dem wir besonders mit jungen Leuten ins Gespräch kommen wollen. Zeitzeugen werden dann darüber berichten, wie und was sich in diesen Tagen, zu diesen Sitzungen abgespielt hat.“
„Drei hundertste Geburtstage feierten Cottbuser Vereine in diesen Tagen. 100 Jahre Rennklub Endspurt 1909 Cottbus e.V., 100 Jahre Wassersport und 100 Jahre SV Wacker 09: das kann sich schon sehen lassen. Mit ehemaligen und heute noch wirkenden Ehrenamtlichen und natürlich mit jungen und jung gebliebenen Sportlerinnen und Sportlern wurde das gefeiert. Herzlichen Glückwunsch noch einmal an die Jubiläumsvereine, die an der Gestaltung der Sportlandschaft im Kinder- und Jugendsport, im Breitensport und im Spitzensport unserer Stadt einen großen Anteil haben.
Das 11. Cottbuser 24-Stunden-Schwimmen vom 20. bis 21.November hat wiederum eine Vielzahl von Wasserratten in die „Lagune“ gelockt. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft mit Uli Mohaupt an der Spitze hat mit perfekter Organisation eine gute Bilanz ziehen können. 1227 Schwimmerinnen und Schwimmer zwischen fünf und 80 Jahren legten 2733,3 km zurück. Über einhundert Helfer trugen zum Gelingen bei. Danke an das gesamte Team der DLRG und der „Lagune“!
Darüber hinaus gab es einen weiteren runden Geburtstag. Und wer diesen in der Stadthalle erlebt hat, war begeistert. In den Sparten Tanz, Artistik, Gesang und Kabarett war unser Kinder- und Jugendensembles Pfiffikus einfach klasse. Dafür noch einmal meine herzlichsten Glückwünsche und besonderen Dank an den Förderverein und der Regine-Hildebrand-Schule.“

„Cottbus, Mannheim, Nordhorn, Wetzlar und Zehdenick, das sind die Finalstädte des Wettbewerbs Mission Olympic 2009/2010. Diese Städte werden im Sommer 2010 jeweils ein dreitägiges Festival des Sports als Finale des Wettbewerbs ausrichten und damit den Kampf um den Titel „Deutschlands aktivste Stadt“ und das Preisgeld von 75.000,– Euro für den Breitensport unter sich ausmachen. Bewerben konnten sich alle deutschen Städte, die ihre Bürgerinnen und Bürger in Bewegung bringen - durch besonders attraktive Sport- und Freizeitangebote, Sportvereine oder sportlich engagierte Mitmenschen. Cottbus hat die Jury mit seinem Engagement, dem vielfältigen Sportangebot und den 180 eingereichten Initiativen überzeugt und steht nun im Finale des Wettbewerbs 2009/2010. Eigens für die Planung und Vorbereitung des dreitägigen Festivals wird die Stadt Cottbus unter Regie des Stadtsportbundes eine AG „Finale Mission Olympic 2010“ einberufen. Vertreter der Stadt, des Landessportbundes Brandenburg, der Deutschen Olympischen Gesellschaft Cottbus, des Stadtsportbundes und Vertreter von drei Cottbuser Großsportvereinen werden bereits in diesen Tagen zusammen kommen. Der genaue Termin, eine Finanz- und Aktionsplanung unter Einbezug der Ideen aus der Cottbuser Bevölkerung sowie Marketingmaßnahmen werden umgehend erstellt. Alle Übungsleiter, Kampf- und Schiedsrichter, Vorstände, Sportorganisatoren, Sportlehrer und Trainer, Sportvereine, Schulen und Kindertagesstätten unserer Stadt, alle städtischen Unternehmen und Privatunternehmen wie Fitness- und Gesundheitseinrichtungen rufen wir daher zur aktiven Mitwirkung bei der Ausgestaltung des Festivals Mission Olympic auf. Wir freuen uns auch über eigene Ideen zur Ausgestaltung dieses dreitägigen Ereignisses. Ziel ist es jetzt, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, am Finale von Mission Olympic aktiv teilzunehmen und verschiedene Sportarten auszuprobieren. Jede Aktivität der Besucherinnen und Besucher zählt für den Titelgewinn! Eine Stadt, in der jeder Fünfte Mitglied eines Sportvereins ist, kann hier nur den ersten Platz anstreben.“

„Mit einer Deutschlandpremiere und zahlreichen Gästen aus Film, Kunst und Politik wurde vor zwei Wochen im Staatstheater Cottbus das 19. Festival des osteuropäischen Films eröffnet. Nirgendwo werden das osteuropäische Kino und der Reichtum der Kulturen Osteuropas so kompakt vermittelt wie in Cottbus in jedem November.
Dieses internationale, immer stärker beachtete Festival bildet einen jährlichen Schwerpunkt im Kulturkalender unserer Stadt. Und das bereits zum 19. Mal, was für seine Qualität und seinen Stellenwert in der filmischen Verbindung zu Osteuropa spricht. Das Filmfestival Cottbus ist damit ein anerkanntes Forum des osteuropäischen Films in der Mitte Europas. Es fördert unser Verständnis füreinander. Die Entwicklung in den zurückliegenden Jahren zu dem internationalen Kultur- und Gesellschaftsereignis in Cottbus hat Maßstäbe der Verständigung und des Verstehens gesetzt. Dem Veranstalter und dem Festivaldirektor ist es gelungen, neue Freunde und Förderer zu gewinnen. Die Stadt Cottbus, das Land Brandenburg und Vattenfall begleiten das Filmfest seit vielen Jahren und ermöglichen durch ihre tatkräftige Unterstützung dessen Erfolg.“

„Ein besonderer Dank gilt Frau Breitschuh-Wiehe, die seit vielen Jahren unsere „Aktion Stolpersteine“ organisiert. Am 12. November wurden vier neue „Stolpersteine“ in Cottbus für ehemalige Mitbürgerinnen und Mitbürger verlegt. Sie ergänzen die bereits vorhandenen 52 „Stolpersteine“, die es seit September 2006 auch in unserer Stadt gibt. Die Idee der „Stolpersteine“ stammt vom Kölner Künstler Gunter Demnig, dessen Kunstprojekt zum Ziel hat, die während der Zeit des Nationalsozialismus verhafteten, deportierten und ermordeten Menschen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In diesem Monat wurden die Steine vor vier ehemaligen Wohnorten sorbischer (wendischer) und jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger verlegt. In die 10x10 cm großen „Stolpersteine“ sind die Namen der ehemaligen Bewohner und Angaben zum Deportationsschicksal eingemeißelt.
Möglich wird dies durch Spenden aus der Cottbuser und Brandenburger Bevölkerung. Sollte die Bereitschaft zu weiteren Patenschaften bestehen, werden auch 2010 „Stolpersteine“ verlegt werden können. Die Kosten für die Patenschaft eines „Stolpersteines“ betragen 95,00 Euro; auch jeder kleinere Betrag ist willkommen.“

„Das Stadtverwaltungsteam „Sozialarbeit an den Schulen“ führt in jedem Jahr verschiedene Projekte zum Thema „Gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit“ durch. Eines dieser Projekte fand im November statt. Auf ihrer Lesereise „Gegen das Vergessen“ machte Frau Professor Rosenberg auch wieder in Cottbus Station. Sie ist die Tochter jüdischer Emigranten und Autorin der Biografien der Eheleute Schindler. An allen vier Veranstaltungen zum Leben und Wirken von Oskar und Emilie Schindler nahmen eine Vielzahl von Schülerinnen und Schülern Cottbuser Schulen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt teil. Die Theodor–Fontane-Gesamtschule, die Lausitzer Sportschule, das Niedersorbisches Gymnasium und das Cottbus Colleg nutzten diese Gelegenheit.“

„Am 19. November konnte der Bereich des Stadtteilzentrums Anger Sandow den Bürgern in seiner neuen Pracht übergeben werden. Die Freiflächenneugestaltung im Stadtteilzentrum ist eine von den großen Erneuerungen in Sandow, die mit Unterstützung des Bund-Länder-Programms Stadtumbau-Ost bisher realisiert werden konnte. Hier wurde im Zeitraum von März bis November 2009 eine der ersten Maßnahmen aus dem Teilräumlichen Konzept Sandow umgesetzt.
Die komplette Umgestaltung des Freiraumes hatte das Ziel, Wegeverbindungen zu optimieren und barrierefrei zu gestalten, Flächen für den Markt auszuweisen und gleichzeitig die Aufenthaltqualität stark zu verbessern. Die maroden Plattenflächen wurden ersetzt durch einen zentrumswürdigen Bodenbelag. Es wurden 37 Bäume gepflanzt, zahlreiche Sitzgelegenheiten geschaffen und Fahrradständer neu eingerichtet.
In Zusammenwirkung zwischen der Stadt und der GWC GmbH wurden die Umgestaltung der kommunalen Bereiche und die des Wohnungsunternehmens als gemeinsame Maßnahme geplant und umgesetzt.“

„Der Bau der Fahrbahn Saarbrücker Straße mit den Querungshilfen in Höhe Poznaner Straße und Lerchenstraße sowie der östliche Rad- und Gehweg ist abgeschlossen. Damit konnte eine weitere Baustelle, die den Cottbusern und den ortsfremden Verkehrsteilnehmern viel Geduld und Verständnis abgefordert hat, am 13. November – aber vorerst nur eine Fahrtrichtung – stadtauswärts – für den Verkehr wieder freigegeben werden. Die Umleitung stadteinwärts über Klein Gaglow/Marktkauf bleibt aber noch bis Mitte Dezember 2009 bestehen. Grund ist der Bau des westlichen Rad- und Gehweges. Die restlichen Leistungen am westlichen Rad- und Gehweg sowie das Pflanzen der 68 Alleebäume werden bis 30. März realisiert. Baustart war am 2. November für den Ausbau der Münzstraße und Kreuzgasse einschließlich der Erneuerung eines Teilstücks des Gehweges entlang der Sandower Hauptstraße. Die Maßnahme liegt im Sanierungsgebiet der Modellstadt. Im Rahmen des Baufortschritts gab es archäologische Funde aus dem Mittelalter im Baubereich Münzstraße/ Sandower Straße. Deshalb musste der Straßenbau für zehn Tage ruhen. Die Auffindung der Gründungsreste des alten Stadttores „Sandower Tor“ ist archäologisch sehr bedeutsam. Von hier führten früher die Straßen nach Frankfurt und Guben. Das Tor ist im Übrigen nicht ganz verschwunden. Der preußische Oberbaudirektor Karl Friedrich Schinkel bestätigte einen Entwurf, der dem Spremberger Turm die heute bekannte charakteristische Form mit dem Zinnenkranz gab. Für diese Baumaßnahme wurden auch die Steine des abgerissenen Sandower Tores verwendet.“

„Über die Friedhofsgebührensatzung soll heute noch nicht entschieden werden. Wir werden weitere Möglichkeiten suchen, um vor allem die Frage der Trauerhallengebühren auch für die nächsten Jahre in ein Lösungsmodell zu bringen und rechtssicher abzuklären. Wir sind durch das kommunale Abgabengesetz verpflichtet, kostendeckende Gebühren zu erheben. In den letzten Jahren wurde in die Restaurierung der Trauerhallen in den Stadtteilen sehr viel investiert. Jetzt sind alle gebeten, Lösungsvorschläge einzubringen.“

„Bei der turnusmäßigen Überprüfung der Bahnhofsbrücke mussten wir leider feststellen, dass wir in den nächsten Jahren in Größenordnungen investieren müssen. Rund 5,8 Mio Euro werden nötig sein. Das bedeutet für uns, die Sanierung und Umgestaltung der Bahnhofstraße, die Umgestaltung des Hauptbahnhofs als Verkehrsknotenpunkt und die Sanierung der Bahnhofsbrücke zeitlich, planerisch und finanziell in Einklang zu bringen. Eine gewaltige Herausforderung also, da wir den Zeitplan für die Bahnhofsstraße und den Bahnhof nicht verschieben wollen.“

„Das Jahr 2009 ist ein Rekordjahr, was Messen, Tagungen und Kongresse in der Stadt betrifft. Wir haben in Cottbus eine große Veranstaltungsdichte.
Entgegen der Prognose der letzten Jahre, nach der wir pro Jahr 1100 bis 1500 weniger Einwohner hätten, wurde in diesem Jahr der Einwohnerrückgang auf 500 reduziert. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir 379 mehr Zuzüge und 50 Geburten mehr. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Wegzüge um 377 reduziert.
Der Fortschritt wird auch deutlich an der Erhöhung der Studierendenzahl. Er zeigt sich in der Erhöhung der Zahl der vermieteten Wohnungen und auch an der Verbesserung der Außenwirkung unserer Stadt in den letzten drei Jahren. Es ist uns gelungen, entgegen den Prognosezahlen, hier Veränderungen herbeizuführen. Auch die Erhöhung der Übernachtungszahlen um 2,1 Prozent ist ein Erfolg.
Ebenso spielt die Frage der Internationalität und Weltoffenheit eine wesentliche Rolle. Es gilt also weiter, unsere Universitätsstadt Cottbus in den Mittelpunkt zu stellen, denn der Wettbewerb der Regionen und Städte wird über kreative Köpfe und über Internationalität entschieden.“

„Am 6. November fand in Branitz eine Konferenz zum Stand und zu den Perspektiven der Pücklerforschung statt. In Cottbus ist Pückler verständlicherweise allgegenwärtig. Die Beteiligung von Wissenschaftlern aus ganz Deutschland und aus dem Ausland zeigt, dass der Gartenkünstler eben nicht nur der „nicht ernstzunehmende Paradiesvogel“ war, sondern eine Schlüsselfigur des 19. Jahrhunderts darstellt. Die Beachtung, die die Cottbuser Konferenz in der überregionalen Presse fand, bringt neue Impulse für unsere Bemühungen um das Erbe des Standesherren. Natürlich wären wir glücklich, wenn Branitz in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen würde. Erste und grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass bei Planungen für die Zukunft sämtliche Aspekte der Denkmalpflege konsequent einbezogen werden. Wir haben den Park für die nachfolgenden Generationen zu bewahren. Auf diesem Weg sind wir vorangekommen. Die authentische Gestaltung der Orienträume, die Neuentdeckung der verlorenen Orte, das Vorhandensein des Krakower Pücklerarchivs auf CD-ROM und die Gutsökonomie als Besucherzentrum machen Branitz für Besucher und Wissenschaftler attraktiver.
Dass die Tagung durch einen größeren Beitrag in der FAZ gewürdigt wurde, freut uns natürlich.“