Rede des Oberbürgermeister Holger Kelch zum Neujahrsempfang der Stadt Cottbus/Chóśebuz am 9. Januar 2019

10.01.2019

Sehr geehrter Herr Vizepräsident des Landtages, Dieter Dombrowski, sehr geehrte Frau Ministerin Münch, sehr geehrter Herr Minister Ludwig, sehr geehrte Frau Staatssekretärin Jesse, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Landtages Brandenburg,verehrte Weggefährten, Kritiker und Unterstützer, liebe Cottbuserinnen und Cottbuser,

ich begrüße Sie herzlich in Cottbus, wo wir die Digitalisierung voranbringen möchten.

Nicht nur an unserem Motto sehen Sie, die Digitalisierung hält Einzug in Cottbus. Auch an Ihrer Einladung zum heutigen Abend sowie der Einlassprozedur haben Sie es sicherlich bemerkt. Die Digitalisierung, bei uns umrahmt von sorbisch/wendischer Tradition und Sprache, steht in der Tür. Personengebundene Karten, scannergestützte Kontrolle, sicher noch etwas ungewohnt, aber insgesamt einfacher, effektiver, gerechter, sicherer, wenn es natürlich richtig funktioniert.

Lassen wir sie also rein, die Digitalisierung – denn seien wir offen und ehrlich: Wenn wir sie zur Haustür nicht reinlassen, kommt sie ohne unser Zutun wie ein ungebetener Gast doch durch die Hintertür.

Ich sehe: Sie haben es geschafft: Sie sind drin! Ihnen, verehrte Gäste, sage ich ein herzliches Willkommen zum Neujahrsempfang der Stadt Cottbus/Chóśebuz und begrüße Sie alle in einem aufregenden Jahr 2019. Bei aller Digitalisierung: Auch ich bin kein Roboter, sondern ein Mensch mit Schwächen und Stärken, aber immer gern Oberbürgermeister dieser reizvollen Stadt. Als solcher habe ich im Dezember die zweite Hälfte meiner ersten Amtszeit begonnen.

Zunächst jedoch will ich Stellung beziehen zu den Vorfällen in der Silvesternacht:

Ja, diese gewalttätigen Auseinandersetzungen machen uns erneut große Sorgen. Es wurde leider erneut ein Mensch verletzt. Das ist grausam. Das muss uns beschäftigen.

Wir hoffen gemeinsam, dass die Ermittler bei der Tätersuche bald Erfolg haben werden. Weit mehr als diese abstoßende Tat ist eine Stellungnahme der Stadtverwaltung diskutiert worden.

Gewiss war dort nicht jedes Wort glücklich gewählt und der Text vor allem in Bezug auf mögliche Interpretationen nicht bis zu Ende gedacht.

Ich weise jedoch sehr deutlich Auffassungen zurück, deshalb einzelne Mitarbeiter des Rathauses oder gleich die ganze Belegschaft als Rassisten zu verunglimpfen und sie auch nur in die Nähe von Neonazis zu rücken!

Das ist trotz diskussionswürdiger und harter Formulierungen nicht angemessen und entspricht nicht den Tatsachen. Wir werden – und nichts anderes stand inhaltlich in der Stellungnahme – alle rechtsstaatlichen Mittel ausschöpfen, die einer Kommune zur Verfügung stehen. Selbstverständlich nachdem die Ermittler und die Gerichte zu Entscheidungen gekommen sind und ein Täter rechtskräftig verurteilt ist.

So haben wir es immer gehalten, und so entspricht es auch Recht und Gesetz.

Im Übrigen sind die, die in der Ferne über Cottbus tönen, auch die, die am wenigsten für die Lösung von Problemen tun.

Unsere Stadt hat in den zurückliegenden Jahren überdurchschnittlich viele Flüchtlinge aufgenommen. Das ging und geht an vielen Stellen über die Grenze der Belastbarkeit der vorhandenen Strukturen hinaus.

Es ist aber nicht die Zahl allein, die Sorgen bereitet. Es geht um Kontrolle, Steuerung und Gestaltungsmöglichkeiten in einer Kommune, die lange Zeit nicht in ausreichendem Maße vorhanden waren.

Wir können die Bürgerinnen und Bürger mit dieser Debatte nicht allein lassen und verdruckst zu diesen Problemen schweigen. Der Zuzug hat viele Gewohnheiten in Frage gestellt, er hat Cottbus verändert, und das in alle Richtungen!

Viele Menschen haben sich diesen Herausforderungen gestellt, wofür ich sehr dankbar bin. Es ist für mich verständlich, dass auch gewisse Emotionen mitschwingen, wenn durch einige Wenige wiederholt die Arbeit vieler für und mit den Flüchtlingen in Misskredit gebracht wird und Stimmung und Sicherheitsgefühl in der Stadt unter Gewalttaten und Auseinandersetzungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft leiden.

Es ist und bleibt eine der Hauptaufgaben, ein respektvolles Miteinander in unserer Stadt zu gewährleisten, so dass sich alle, ausnahmslos alle, sicher fühlen können.

Sehr geehrte Damen und Herren,
die ersten vier Jahre waren geprägt von Herausforderungen, die nahezu alle Planungen über den Haufen geworfen haben.

Wir sind dennoch vorangekommen.

Wir können gemeinsam stolz darauf sein, wie wir die Dinge hier in Cottbus gemeistert haben.

Ich sage nur Kreisfreiheit, ich erinnere an die Lösung für die Altanschließer, ich nenne unsere soliden Haushalte einschließlich der beginnenden Entschuldung und dem schrittweisen Abbau der Kassenkredite. In diesen ersten Januartagen liegt deren Gesamtsumme bei nunmehr 230 Millionen Euro. Wenn wir daran denken, dass der Kassenkreditbestand vor einem Jahr bei 268 Millionen Euro lag, so ist das bemerkenswert, auch wenn die Entschuldungshilfe des Landes noch nicht gegriffen hat. Trotzdem sind wir dankbar für die zukünftige Unterstützung durch das Land Brandenburg bei der Entschuldung, werden aber auch weiterhin große eigene Kraft dafür aufbringen müssen.

Selbstverständlich müssen wir bei allem, was wir tun, an den Haushalt denken. Aber der Haushalt darf unser Denken nicht einschränken.

Cottbus entwickelt sich baulich weiter. Wir können stolz sein auf die heimische Wirtschaft, die Handwerker, die Unternehmer, die Firmengründer, aber auch die fleißigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sehr viele von Ihnen haben daran Anteil, und sie haben manchen Krisen getrotzt. Sie zahlen fleißig und pünktlich Steuern, Sie haben gewiss Ihre Ansprüche und Sie sorgen sich um Cottbus. Unsere Stadt braucht Ihr großes Engagement weiterhin. Uns ist bewusst: Wenn man in einer Stadt gutes Geld verdienen kann, dann floriert auch das Leben. Meine Anerkennung gilt ebenso mutigen Investoren, die in Cottbus ihr Geld einsetzen.

Wir in der Politik müssen dafür den Rahmen schaffen: Wir wollen nicht erledigen, sondern ermöglichen. Ich weiß, dass dieser Anspruch noch nicht an jedem Tag in der Verwaltung umgesetzt werden kann. Ermöglichen heißt eben aber auch nicht, die Regeln einfach mal außer Kraft zu setzen. Da müssen wir uns gemeinsam bewegen, miteinander reden und ausloten, was funktioniert und was nicht. Kaum etwas geht ohne privates Engagement und das ist wirklich gut so.

Deshalb danke ich den Tausenden Frauen und Männern, die oft täglich ehrenamtlich für andere im Einsatz sind. Sechs von ihnen haben sich heute in die Ehrenchronik unserer Stadt eingetragen. Sie stehen sicher stellvertretend für so viele Menschen in unserer Stadt, die für andere da sind und der Gemeinschaft nützen und dafür manchmal nur ein Schulterklopfen ernten.

Ihr Beifall war eine schöne Anerkennung für diese Frauen und Männer.

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir stehen wie in jedem Jahr vor großen Aufgaben und noch größeren Herausforderungen. Und dabei müssen wir mit einem nun schon altbekannten Widerspruch umgehen:

Wir wollen mehr tun, müssen aber gleichzeitig mehr sparen.

Und dennoch wird sich viel bewegen in diesem Jahr.

Wir werden in Kürze die Kreuzung Bahnhofstraße/Stadtring und zur Jahresmitte den neuen Nahverkehrsknoten am Bahnhof freigeben können.

Allein hier wurden – flankiert durch Fördermittel – gemeinsam mit unserem Unternehmen Cottbusverkehr 14 Millionen Euro investiert. Wie versprochen schließt sich ab Frühjahr der Umbau des nördlichen Bahnhofsumfeldes an.

Der Nahverkehr soll jedoch nicht nur um den Bahnhof herum attraktiver werden. In Madlow werden wir für etwa 850.000 Euro eine neue Umsteigeanlage errichten. Zugleich werden wir untersuchen lassen, welcher Linienausbau wirtschaftlich tragfähig und attraktiv ist. Wir streben den Einsatz wasserstoffgetriebener Busse an.

Der Oberkirchplatz wird zum Stadtfest in diesem Jahr zur Verfügung stehen.

Und wir alle hoffen, dass wir künftig über die sanierte Brücke am Stadion der Freundschaft weiter zu Drittliga-Spielen des FC Energie pilgern werden.

Besonders wichtig ist uns aber auch, in Sandow weitere Gehwege zu sanieren, im gesamten Stadtgebiet Radwege zu modernisieren und auf Spiel- und Bolzplätzen nicht nur für Ordnung zu sorgen, sondern verschlissenes Gerät zu ersetzen.

Auch im Hochbau werden wir zulegen. Besonders wichtig ist es uns, die planmäßige Sanierung von Schulen wie der Astrid-Lindgren-Grundschule weiterzuführen und planmäßig im zweiten Quartal fertigzustellen. Die Gesamtkosten liegen bei fast zehn Millionen Euro aus Mitteln des Bundes und des Landes.

Im Tierpark wird das neue Klassenzimmer der Zooschule im Frühjahr fertig, ebenso die ersten Bauabschnitte an der Theodor-Fontane-Gesamtschule.

Wir starten in diesem Jahr den Neubau der Stützpunktfeuerwehr Süd. Wir erweitern die Kapazitäten für den Hort Pünktchen und Anton der Erich-Kästner-Grundschule. Wir kommen endlich dazu, die Sanierung des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums fortzuführen. Wir werden eine Kita am Standort des ehemaligen Ärztehauses in der Wehrpromenade errichten.

Wie in diesem Jahr gibt es auch für 2020 bereits eine lange Projektliste – der Schwerpunkt wird auch hier auf der Planung sowie der Sanierung mehrerer Schul- und Kita-Standorte liegen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
eine gut sanierte Kita- und Schullandschaft ist ein gewichtiges Argument für junge Familien, in Cottbus heimisch zu werden. Sie ist eine Grundlage für den Wandel in der Region, der vor Monaten eingeleitet wurde und Fahrt aufgenommen hat.

Es ist an uns, diesen Prozess mit zu steuern und ihn nicht kleinmütig über uns ergehen zu lassen. Ein Bruch wie nach 1990 hätte heute drastische Folgen, ja auch für unsere demokratische Gesellschaft. Das darf niemand zulassen!

Und diese Mahnung, nein, unsere Erfahrung, richtet sich in erster Linie nach Berlin an die Regierungskoalition.

Nennen Sie es von mir aus Lausitzer Sturheit: Ich werde mit der gleichen Überzeugung und Konsequenz, mit der ich gegen die untaugliche Kreisgebietsreform gekämpft habe, wieder verstärkt für die Forderungen der Lausitz im Strukturwandel eintreten.

Das ist die zweitgrößte Stadt Brandenburgs der Region schuldig, das sind wir den in Kohle und Kraftwerken tätigen Menschen schuldig, das sind wir unseren Kindern und Kindeskindern hier in Cottbus schuldig – denn es geht um deren Perspektiven in einer lebenswerten Lausitz.

Die Stadt Cottbus/Chóśebuz versteht sich dabei weiter als Anker für diese so wunderbare wie auch geschundene Region. Die schlichte Wahrheit ist: Die Lausitz braucht vor allem neue Arbeit, wenn es bundespolitisch gewollt ist, die alte, aber einträgliche und solide Arbeit abzubrechen. Die Forderungen dazu sind alle längst bekannt, ich will sie hier nicht wiederholen. Der Worte sind genug gewechselt, nur es fehlt mal wieder an Taten.

Allein, wenn wir den Umgang mit dem Ausbesserungswerk der Bahn hier in Cottbus sehen, kann einem angst und bange vor dem Strukturwandel werden. Hier könnte der Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland, längst ein Votum zugunsten der strukturschwachen Region getroffen haben. Ein solches Hinhalten mitten im Strukturwandel untergräbt das letzte bisschen Vertrauen in die Handlungsfähigkeit und die Verantwortlichkeit der großen Politik, die, so hat es den Anschein, offensichtlich konzeptionslos, empathielos und leider auch bis jetzt ergebnislos über die Lausitz und Cottbus redet.

Gewiss ist jede Forschungseinrichtung wichtig, die in unsere Stadt kommt, und die fünf, zehn oder 50 Arbeitsplätze bringt. Das ist aber noch lange kein Ersatz für die Tausenden Jobs in der Kohle und in den Kraftwerken sowie bei Dienstleistern und Zulieferern.

Die Menschen, die dort arbeiten, haben Perspektiven verdient. Offenbar ist die Dimension dieses Strukturwandels noch nicht überall klar. Wir erwarten die Ergebnisse der Strukturkommission des Bundes, für die alle denkbaren Vorschläge seit gefühlt unendlich langen Monaten auf dem Tisch liegen. Es muss endlich gehandelt werden.  

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir gehen aber jetzt schon neue Wege, und die Digitalisierung wird uns dabei maßgeblich begleiten.

Wir gehen mit der Zeit, damit die Zeit nicht über uns hinweggeht.

Und ich sage Ihnen ganz offen, dass ich da ungeduldig bin.

Wir müssen noch mutiger werden.

Wir gehen aber vielleicht zu kleine Schritte, während die Zeit rennt.

Die Digitalisierung wird über Wohl oder Wehe unserer Stadt mit entscheiden.

Sie ist die Grundlage dafür, wie attraktiv wir für die Sicherung der heimischen Wirtschaft ebenso wie für die Ansiedlung von Unternehmen sind.

Digitale Zukunft ist ein oft genutztes Wortpaar – wir sollten, nein, wir müssen auf die digitale Gegenwart setzen.

Der weitere Breitbandausbau ist dringend nötig, selbst wenn es in Cottbus nur wenige Funklöcher gibt.

Wir wollen Cottbus in Brandenburg gern zum digitalen Innovationsmotor machen.

Das lockt neue Unternehmen und schafft gute Arbeit. Für uns beginnt das mit der entsprechenden Bildung in den Schulen. Dafür müssen wir in den kommenden Jahren die Technik einschließlich der Software bereitstellen.

Da brauchen wir mehr Tempo, keine Frage.

Die Digitalisierung erfasst verstärkt die Unternehmen, aber auch uns als Verwaltung. Wir setzen zum Beispiel auf das Carl-Thiem-Klinikum als digitales leitkrankenhaus. Als Verwaltung ist für uns zudem vorstellbar, eine elektronische Bürgerkarte einschließlich eines Bürgerkontos einzuführen, die eine sichere Nutzung der digitalen Dienstleistungen der Verwaltung ohne aufwendige Wege ermöglichen.

Das sind Vorstellungen, für die wir zügig die nötigen Grundlagen schaffen müssen. Unser spezieller Anspruch ist es, diese digitalen Dienstleistungen auch in sorbisch/wendischer Sprache zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns im nächsten Bürgerdialog in der kommenden Woche solchen Themen widmen.

Liebe Gäste, der Cottbuser Ostsee wird im neuen Jahr stärker als bisher zum Symbol und zum Schauplatz der modernen Stadtentwicklung von Cottbus/Chóśebuz. Mit dem Ostseesportverein und dem Förderverein haben wir wichtige ehrenamtliche Begleiter.

Das Spreewasser wird den See, wenn auch etwas später als vorgesehen, nach und nach füllen. Bis Mitte des Jahres, so der Plan, steht die Kaimauer für das Hafenquartier.

6,4 Millionen Euro werden dort eingesetzt, um die weitere Entwicklung zu flankieren. Das ist das erste markante Bauwerk des künftigen Hafenquartiers, das als erster CO2-neutraler Stadtteil von Cottbus auf die gesamte Stadt ausstrahlen wird.  

Ich bin mir sicher: Der Wandel am Ostsee ist für uns der Wandel in einer modernen Energieregion, die ihre Kohletradition nicht leugnet und dennoch selbstbewusst neue Wege geht.

Neue Wege heißt 2019 aber auch: Radwege zum Ostsee – in diesem Jahr werden mehr als 400.000 Euro zur Verfügung stehen, im kommenden Jahr weitere 300.000 Euro.

Aber wir denken weiter.

Der Ostsee ist auch das Energielabor der Region.

Während das Hafenquartier schon erste Formen annimmt, reift anderes noch in der Ideenschmiede.

Ich lade Sie ein, mit mir einen Blick in die Denkfabrik der Visionen des Ostseemanagements zu werfen:

  • ..so denken wir an einen Energiecampus im Zentrum des neuen Stadtquartiers. Optimal angebunden über die Seeachse erreicht man von hier den See und das Zentrum. Der Energiecampus ist das Herzstück des östlichen Stadtraumes. Mit dem neuen Wissenszentrum stärkt Cottbus die Fachkräftepotenziale der Lausitz.
  • ...wir denken auch darüber nach, dass Wasser in das Quartier zu holen. Dazu nutzen wir vorhandene Gewässerwege, bauen diese aus und verbinden sie mit See und Spree. Das Wasser wertet nicht nur Grundstücke auf. Es kann auch als Energiequelle genutzt werden. Das wäre eine wärmetauschbasierte Nutzung des Seewassers beim Verbraucher.
  • ...wir diskutieren auch die Gestaltung der Seeachse. Die neue Verbindung sollte keine laute Schnellstraße werden. Stattdessen wollen wir energetische Stadtentwicklung ganz groß schreiben. Eine autonome Ökostrom-Bahn bringt uns vom Bahnhof in das Quartier und an den See. Eine „Mobilitätsstation" für E-Autos und ÖPNV-Wasserstofffahrzeuge liegt an der Seeachse. Und die teils mit Solarmodulen ausgelegten Wegesysteme der Seeachse erzeugen Strom.
  • ...das Ökoquartier ist auch Wohnen im Grünen. Nahe am Wasser gelegen und verbunden mit der grünen Seeachse könnte eine „moderne Gartenstadt" entstehen. Die Gebäude zeigen auf experimentelle Weise neue Ansätze der ökologischen Architektur. Modellhaft präsentiert sich Cottbus mit innovativen Ansätzen des energetischen Bauens von der vollverglasten Fassade, über den mehrgeschossigen Holzbau bis zu kleinteiligen Energieclustern.
  • ...die Energiezentrale des Ökoquartiers ist das Heizkraftwerk. Der noch kohlebefeuerte Anlageteil wird nun mit rund 75 Millionen Euro Investitionsmitteln umfangreich umgerüstet. Es werden Gasmotoren und Wärmespeicher eingesetzt. Damit leisten die Stadt Cottbus/Chóśebuz und ihre Stadtwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende in Deutschland! Wir überlegen nun, den begonnenen Umbau des Heizkraftwerkes weiterzudenken. Das Wasser des Ostsees ist ein riesiger Energiespeicher. Den sollten wir nutzen.

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass wir gemeinsam mit dem Unternehmen LEAG noch im ersten Halbjahr eine Vereinbarung auf den Weg bringen wollen. Darin wird sich widerspiegeln, wie wir die Prozesse der Neustrukturierung von Arbeits- und Geschäftsfeldern abgestimmt gestalten können, selbst wenn wir nicht immer im Gleichschritt laufen. Trotzdem: Die LEAG hat in Cottbus immer einen sicheren Hafen.

All das bündelt sich in einem Ziel: die Entwicklung einer modernen Stadt als attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten.

Cottbus ist eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Das wollen wir auch bleiben. Ein erfolgreicher Strukturwandel ist dafür die Grundlage.

Und das funktioniert nur mit interessanten Perspektiven für junge Leute, für junge Familien, die hier etwas aus sich machen wollen – und können, weil sie die Bedingungen dafür vorfinden.

Cottbus kann und will ein attraktiver Wohnort sein, in dem digitales Arbeiten in überschaubarer, reizvoller, spannender Gegend mit Entwicklungspotenzial und Freiraum möglich ist.

Das sind auch die Stichworte für eine neue Bevölkerungsprognose, die wir in den kommenden Tagen vorlegen werden. Trotz einer zu erwartenden kurzfristigen Delle können wir als „Digitale Stadt" durchaus wachsen.

Ein umfassender, aber vor allem erfolgreicher Strukturwandel könnte, so die Vorausschau, auch einen Zuwachs an Bevölkerung auf bis zu 108.000 Bewohner bewirken. Gewiss: dazu muss alles passen und viel investiert werden.

Wir wollen die Rahmenbedingungen schaffen und erhalten, dass die Familien hier gern Kinder bekommen. Dazu gehören attraktive und flexible Arbeitszeiten und Jobs, eine umfassende und qualitätsvolle Betreuung im Klinikum, eine vielfältige Kita- und Schullandschaft, kurz: Lebensbedingungen, die Familien Sicherheit, Auskommen und Aussichten bieten.

In Cottbus sind im zurückliegenden Jahr im Carl-Thiem-Klinikum insgesamt 1207 Babys geboren worden. Unter den vier Neujahrsbabys sind zwei Mädchen und ein Junge aus unserer Stadt. Herzlichen Glückwunsch den Eltern und willkommen in Cottbus.

All das klingt schön – wir werden dennoch Zuwanderung wie in den vergangenen Jahrhunderten brauchen. Und wir werden Zuwanderung wie in den vergangenen Jahrhunderten erleben. Bund, Land und am Ende wir als Kommune werden diese Zuwanderung besser zu steuern haben, damit sich niemand von dieser eigentlichen Selbstverständlichkeit überfordert fühlt.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Fontane war, so weit man weiß, nie in Cottbus. Der Schriftsteller und Journalist wird in diesem Jahr dennoch auch in Cottbus geehrt. So wird es im Brandenburgischen Apothekenmuseum eine Ausstellung zum ersten Beruf Fontanes geben. Dieses Museums-Kleinod am Altmarkt besteht seit nunmehr 30 Jahren. Unser Stadtmuseum beteiligt sich ebenfalls mit einer Sonderausstellung im Fontanejahr, die im März eröffnet wird. Der Theaterzug wird im August hier Station machen, und für den Herbst ist die Premiere der Oper „Effi Briest" am Staatstheater geplant. Stiftungsdirektor Gert Streidt hat im Branitzer Neujahrsgruß auf die Wertschätzung Fontanes für den Fürsten Pückler und sein Wirken hingewiesen. Branitz würdigt in diesem Jahr beide herausragenden Persönlichkeiten der brandenburgisch-lausitzerischen Geschichte.

Fontane hat hier wichtige geistige Spuren hinterlassen. Gerade deshalb wird es Zeit, dass wir die Fontanes und Pücklers der Jetztzeit, die virtuellen Weltenbummler, für Cottbus begeistern, dass wir sie herlocken und zeigen, dass sie willkommen sind.

Wir brauchen diese Fontanes und Pücklers, die Entdecker, die Neugierigen, die Wanderer zwischen den Welten auf der Suche nach Glück, Geborgenheit und Gunst.

Wir können offen sein für Neues, wenn wir klare Regeln und Werte des Zusammenlebens vereinbaren, aber auch ihren Schutz gewährleisten.

2019 ist ein Jahr mit Europawahl; die Bürgerinnen und Bürger bestimmen außerdem ihre neuen Stadtverordneten, und sie wählen einen neuen Landtag. Ich betone es sehr gern an dieser Stelle: Cottbus/Chóśebuz ist ohne Europa nicht denkbar.

Die zurückliegenden Jahre und Monate haben nachdrücklicher als zuvor gezeigt, dass zum einen alles miteinander zusammenhängt, in Verbindung steht, dass zum anderen aber die Kompetenzen für Entscheidungen und die finanziellen Ressourcen äußerst ungleich verteilt sind. Deshalb werde ich nicht müde mit meiner Forderung, die Kommunen, also auch Cottbus deutlich besser mit Geld zu versorgen, um so die kommunale Selbstverwaltung zu sichern und sich den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an Lösungen vor Ort, in der Stadt, im Quartier zu stellen. Diese Erwartungen wurden und werden in den Bürgerdialogen sehr deutlich formuliert.

Wir alle sind aufgerufen, unsere Stadt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammenzuhalten, keine Spaltungen in der Gesellschaft zuzulassen und solche auch nicht herbeireden zu lassen. Das ist eine permanente Herausforderung, die manchmal Zeit braucht, immer aber auch Konsequenz und Haltung verlangt.

Ich bin überzeugt, dass uns das gelingt, wenn wir weiter miteinander reden und wir uns immer wieder auf gemeinsame Werte und verbindlich anerkannte Regeln berufen können. Deshalb werden wir die Bürgerdialoge fortführen. Doch dort, liebe Cottbuserinnen und Cottbuser, geht es nicht darum, dass Ihnen die Verwaltung etwas erzählt, sondern dass Sie zu Wort kommen und die Verwaltung in erster Linie zuhört.

Liebe Cottbuserinnen und Cottbuser, verehrte Gäste des Neujahrsempfanges,
2019 – das sind 80 Jahre Beginn des Zweiten Weltkrieges,

das sind für manchen 70 Jahre Bundesrepublik, das sind für manchen noch 70 Jahre DDR, für viele aber vor allem 30 Jahre ihres Endes.

Dieses kleine Land prägt viele, auch mich, bis heute.

Wir sind tiefer Osten, in dem sich vielen angehängt fühlen. Wir wollen aber auch nicht einfach nur irgendwo angehängt werden, nein: Wir wollen zeigen, dass wir stolz sind, hier zu arbeiten und zu leben.

Das ist unser Anspruch im Wandel der Wirtschaft und der Gesellschaft, und das(!) ist der Auftrag, den uns die Bürgerinnen und Bürger geben.

Diesem Auftrag will ich als Oberbürgermeister gemeinsam mit allen offenen, neugierigen, den humanistischen und demokratischen Werten und Regeln verpflichteten Menschen gerecht werden.

Lassen Sie uns laut aber fair streiten und vor allem zügig, zielgerichtet und konsequent arbeiten für diese, unsere schöne Stadt Cottbus/Chóśebuz.