Aus dem Bericht von Bürgermeister Holger Kelch auf der 4. Stadtverordnetenversammlung am 26. November 2014

„Die zweite Jahreshälfte war vom Gedenken an den Beginn des I. und des II. Weltkrieges sowie vom 25. Jubiläum des Mauerfalls bestimmt. Die zentrale Veranstaltung des Landes Brandenburg zur friedlichen Revolution fand hier bei uns in Cottbus, in der Oberkirche und im Menschenrechtszentrum, statt.

Vom 10. bis 12. November war ich dann mit einer kleinen Verwaltungsdelegation auf Einladung des in diesem Jahr neu gewählten Bürgermeisters Patrice Bessac in unserer französischen Partnerstadt.
Anlass für die Einladung nach Montreuil waren die offiziellen Feierlichkeiten am 11. November in Frankreich zum Gedenken an das Ende des 1. Weltkriegs. Ich bin der Einladung zur Teilnahme an der Festveranstaltung in Montreuil, während der ich auch Gelegenheit hatte, zu den Bürgern zu sprechen, gern gefolgt. Denn natürlich war und ist dieses Jahr 2014 geprägt vom mahnenden Gedenken an die Opfer des I. Weltkriegs. Dazu sprach auch in Cottbus Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Drogla zum Volkstrauertag auf dem Südfriedhof.
Doch zurück zu Montreuil: Der Besuch diente der Abstimmung über die erst im Februar vereinbarten Vorhaben der nächsten vier Jahre. Hierbei ging es insbesondere um gemeinsame Projekte in den Bereichen Jugend, Kultur und Senioren, aber auch um einen Erfahrungsaustausch zum innerstädtischen Bauen. So sah das Programm u. a. auch eine Begegnung mit Bewohnern der im Stadtteil Bel Air befindlichen Straße Rue de Cottbus vor. Mit diesem Besuch setzten beide Städte ihren erfolgreichen Weg der Vitalisierung der Städtepartnerschaft fort, die, 1959 bereits geschlossen, eine der ältesten überhaupt in Europa ist.“

„Vor zwei Wochen endete in der Stadthalle das 24. Festival des osteuropäischen Films. Über 20.000 Besucher sahen in der Stadthalle, im Weltspiegel, in der Kammerbühne, im Staatstheater und im Obenkino 164 Filme aus 35 Ländern, darunter zehn Weltpremieren, sechs internationale Erstaufführungen und 65 Deutschlandpremieren.
Mehrfacher Sieger wurde der russische Film Corrections Class des Regisseurs Ivan Tverdovsky. Der Einschätzung der Organisatoren um Geschäftsführer Andreas Stein schließen wir uns an: ‚Wir sind wirklich hochzufrieden. Die hohen Besucherzahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Das Interesse am osteuropäischen Kino und dem Filmfestival Cottbus ist ungebrochen, und wir schauen mit Zuversicht und Vorfreude auf die anstehende Jubiläumsausgabe im nächsten Jahr.‘"

„Am 4. November hat die Landesregierung die angekündigten drei Gutachten zur möglichen Einkreisung der kreisfreien Städte in Brandenburg vorgestellt. In den verwaltungs-, rechts- und finanzwissenschaftlichen Teilen der Gutachten sollte geklärt werden, ob und wenn ja welche kreisfreien Städte eingekreist werden sollen. Für uns ist allerdings nicht ersichtlich, dass diese Frage überhaupt untersucht wurde. Vielmehr wurde nach kurzer Feststellung, dass Potsdam aufgrund seiner wachsenden Bevölkerungszahl und der Stellung als Landeshauptstadt in die Betrachtung nicht einbezogen wird, erläutert, wie man die übrigen Städte einkreisen sollte. Insgesamt sehen wir die Gutachten kritisch. Nimmt man die Empfehlungen ernst, würde dies bedeuten, dass es zukünftig einen Großkreis aus Cottbus, Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster geben würde. In einem solchen Kreis ist aus unserer Sicht keine bürgernahe Verwaltung und Kommunalpolitik mehr möglich. Der Ministerpräsident hat einen Leitbildprozess angekündigt, der neue Innenminister in der letzten Woche eine Leitbildvorstellung durch die Landesregierung für das Frühjahr. Wir werden uns aktiv in die Diskussion und den Prozess einbringen und uns mit Nachdruck trotz anscheinend vorhandener Vorfestlegungen für den Erhalt unserer Kreisfreiheit einsetzen.“

„Seit dem 13. November 2014 ist die Leitung der BTU Cottbus-Senftenberg vollständig. Frau Prof. Christiane Hipp steht jetzt als hauptberufliche Vizepräsidentin dem Präsidenten Prof. Jörg Steinbach zur Seite. Als weitere Vizepräsidenten wurden Prof. Matthias Koziol und Prof. Stefan Zundel gewählt. Herzlichen Glückwunsch!
Prof. Steinbach nutzte am 18. November in Senftenberg die Gelegenheit, seine Visionen und den aktuellen Stand der BTU-Entwicklung beim jährlichen Regionalforum der Energieregion Lausitz vorzustellen. Die Strukturentwicklung der BTU wird sich konsequent an den Forschungsschwerpunkten orientieren, die auch im internationalen Maßstab bestehen müssen. ‚Wo Universität drauf steht, muss auch Universität drinnen sein‘, so der Präsident. Er verwies in diesem Gremium vor allem auf die angestrebte Breite der Energieforschung, die von der Energieerzeugung – konventionell und erneuerbar – über Speicherung und Netzausbau bis zur materialorientierten Energieeffizienz reicht. Den Vertretern der Wirtschaft legte er die BTU als Technologietransferstelle ans Herz. Schließlich betonte Prof. Steinbach die Notwendigkeit und vor allem den Charme der Internationalisierung der Universität. Knapp 20 % aller Studierenden (aktuell 1.761) der BTU Cottbus-Senftenberg kommen aus fast 100 Ländern dieser Erde – besonders viele aus China und Polen.“

„Das Regionalforum der Energieregion Lausitz stand in diesem Jahr unter dem Thema ‚Gemeinsam Perspektiven entwickeln – Europäische Schienenvorhaben der Zukunft‘. Der Vertreter des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft sorgte für eine positive Überraschung, als er die vom Forum schon lange favorisierte Idee aufnahm, spätestens ab 2016 den durchgehenden Schienenverkehr Berlin – Cottbus – Forst - Wrocław (Breslau) wiederzubeleben. Da Wrocław (Breslau) im Jahr 2016 europäische Kulturhauptstadt sein wird, wird der Bedarf für die Nutzung dieser Bahnanbindung vermutlich hoch sein. Hoffen wir für Cottbus das Beste.“

„Anfang November wurden die Erschließungsanlagen für das Wohngebiet ‚Am Nordrand‘ übergeben. Dort entstehen mehr als 60 Einfamilienhäuser. Zu den Vorarbeiten für das neue Wohngebiet gehörten der Neubau von Erschließungsstraßen im Wohngebiet einschließlich Straßenbeleuchtung und Entwässerungsmulden, die Neupflanzung von Bäumen und der Neubau von Gehwegen. Vor Beginn des Straßenbaus waren umfangreiche Abbruchmaßnahmen und Leitungsverlegungen erforderlich. Entsprechend dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung erhielt die zukünftige Erschließungsstraße im Bebauungsplangebiet ‚Am Nordrand‘ den Namen Peter–Model–Straße. Dr. Peter Model zog 1990 für das ‚Bündnis für Cottbus‘ in das erste freigewählte Parlament nach der Wende ein. Er begründete Mitte der Achtziger in Cottbus die Demokratiebewegung. Am Nachweis der Wahlfälschung hat er großen Anteil. Auch nach der friedlichen Revolution ist Peter Model im Umweltbereich konsequent für die Positionen eingetreten, die er als richtig erkannt hatte. Wir erinnern uns sehr gern an diesen mutigen Mann, der 1993 viel zu früh gestorben ist. Wie kein anderer verkörpert sein Wirken die Kraft der Friedfertigkeit.“