Ohne uns läuft nichts - Superheldinnen am Limit

Daniela Kerzel
Daniela Kerzel
CMT Cottbus

Liebe Cottbuserinnen und Cottbuser, liebe Gäste der Stadt Cottbus/Chóśebuz,
„Superheldinnen am Limit“ – so lautet das Motto der 31. Brandenburgischen Frauenwoche im gesamten Land Brandenburg, die in diesem Jahr, trotz der Pandemie, landesweit bis zum 10. Dezember stattfindet. Cottbus greift dieses Motto auf und führt seine Veranstaltungen situationsbedingt vom 2. bis 11. Oktober 2021 durch.

Als Geschäftsführerin der CMT Cottbus Congress, Messe & Touristik GmbH und der Cottbuser Gartenschaugesellschaft 1995 mbH habe ich in diesem Jahr gern die Schirmherrschaft übernommen. Das Motto „Superheldinnen am Limit“ trifft Corona bedingt auch auf die CMT als Veranstaltungsdienstleisterin zu. Die Veranstaltungsbranche ist eine derjenigen, die die Corona-Beschränkungen mit am stärksten getroffen hat. Als sechstgrößte Branche in Deutschland mit einem Umsatz von knapp 130 Milliarden Euro sind bundesweit 1,5 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Veranstaltungswirtschaft betroffen. Der CMT Cottbus GmbH gehören die beiden größten Veranstaltungshäuser im Land Brandenburg. Vor der Pandemie konnten wir bei Messen, Kongressen, Konzerten, unzähligen verschiedenen Veranstaltungen und Events jährlich ca. 200.000 Besucherinnen und Besuchern bei durchschnittlich 200 Veranstaltungen begrüßen. Die Krise hat uns hart getroffen und stellte uns als Unter-nehmen vor große Herausforderungen.

Das Motto der diesjährigen Frauenwoche hätte gar nicht besser gewählt werden können. Denn viele Frauen sind die Superheldinnen des Alltags: sie sind die super Arbeitskraft, super Mutter, super gesund, super fröhlich, super Freundin oder Ehefrau – aber oft auch super gestresst! Die Superheldinnen sind am Limit, wenn traditionelle Rollenvorstellungen und neue Erwartungen die Lebensrealitäten von vielen Frauen überlasten. Noch immer selbstverständlich ist für viele von ihnen: Viel leisten, wenig bekommen!

Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen. Nach wie vor liegt das Einkommensniveaus der Frauen in unserem unter dem ihrer männlichen Kollegen. Dieses Phänomen kennen wir seit vielen Jahrzehnten. Brandenburgerinnen verdienen bei gleicher Arbeit im Durchschnitt zwei Prozent weniger als vergleichbare Brandenburger. In Berlin sind es 14 Prozent Verdienstunterschiede und im Bundesschnitt sogar 21 Prozent. Das ist für Brandenburger Frauen zwar vergleichsweise ein gutes Ergebnis. Dennoch darf nicht aus dem Auge verloren werden, dass grundsätzlich frauendominierte Berufe immer noch schlechter entlohnt werden als männlich dominierte Berufe. Die Statistiken zum Gender Pay Gap belegen dies. Gerade während der Corona-Krise zeigt sich deutlich, dass viele systemrelevante Berufe überwiegend mit Frauen besetzt sind: beispielweise in der Krankenpflege, Kindererziehung oder im Einzelhandel.

Hinzu kommt: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit. Die Superheldinnen übernehmen dabei bis heute den Großteil der noch immer unbezahlten Sorge- und Hausarbeit und stecken im Berufsleben zugunsten von Kinderbetreuung, Haushalt, pflegebedürftigen Angehörigen zurück. Da diese Tätigkeiten meist jedoch weitestgehend unsichtbar und gemeinhin „nebenbei“ erledigt werden, fehlt es an der Wahrnehmung und Wertschätzung. Dabei ist diese Arbeit jedoch ein Grundpfeiler und damit elementar wichtig für eine funktionierende Gesellschaft

Die Corona-Pandemie verdeutlicht die besondere Belastung, unter der die Frauen während der Pandemie stehen – zusätzlich zum Homeoffice noch Homeschooling, Kinderseelen trösten, Hausarbeit und Beziehungspflege auf abstand zu den Großeltern. Sie offenbart aber auch strukturelle Problemlagen bei der Gleichstellung der Geschlechter. Das Motto der Frauenwoche zeigt daher treffend, dass Applaus zwar gut gemeint und respektvoll ist, aber bei weitem nicht ausreicht!

Vielmehr darf die Vereinbarkeit von beruflicher Entwicklung und dem Wunsch nach Familie nicht mehr nur leere Worthülse sein. Hier sind alle gefragt: Mütter, Väter und Arbeitgeber, die neue Arbeitszeitmodelle leben. Die gesamtgesellschaftliche Anerkennung und Unterstützung moderner, zukunftsorientierter Lebens- und Arbeitsmodelle geht uns alle an – Superheldinnen und Superhelden.

Das Programm der Frauenwoche in Cottbus greift die aktuellen gleichstellungspolitischen Problemlagen auf und hat neue Veranstaltungsformate hervorgebracht. Ich danke den Organisatorinnen für ihren Ideenreichtum und ihre Ausdauer, auch während dieser besonderen Zeiten eine Frauenwoche durchführen zu wollen. Ich danke den Sponsorinnen und Sponsoren sowie dem Land Brandenburg für die finanzielle Unterstützung. Ohne diese finanzielle Hilfe wäre die Cottbuser Frauenwoche nicht realisierbar.

Ich wünsche uns allen interessante Veranstaltungen und Begegnungen, den einen oder anderen Perspektivwechsel und freue mich, wenn alles Organisierte stattfinden konnte.

Ihre
Daniela Kerzel