Bericht des Oberbürgermeisters Holger Kelch vor der 45. Stadtverordnetenversammlung Cottbus am 19. Dezember 2018

19.12.2018

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete, liebe Cottbuserinnen und Cottbuser,

ich möchte Ihnen am Beginn meines Berichts kurz vor dem Jahresende von einem einprägsamen Erlebnis erzählen, dass mir die Mädchen und Jungen der Bewegten Grundschule in der Weinbergstraße bereitet haben. Die Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an der Aktion „Butterfly Projects". Dabei werden handbemalte Keramik-Schmetterlinge an Gebäuden angebracht – jeder Schmetterling erinnert an eines der insgesamt 1,5 Millionen Kinder, die im Holocaust an den europäischen Juden zwischen 1938 und 1945 ihr Leben verloren.

Zu den Gedenk- und Mahntagen am 27. Januar und am 15. Februar werden diese Schmetterlinge an dem Schulgebäude zu sehen sein und an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte erinnern.

Ich begrüße es, dass sich Kinder in unserer Stadt auf diese – und sicher auch andere Weise – mit der Geschichte beschäftigen. Ich ermutige Lehrerinnen und Lehrer, den Kindern ein differenziertes, ungeschöntes, aber klares Bild von jenen Jahren zu vermitteln, die sich in der langen deutschen Geschichte zwar kurz ausnehmen, aber keinesfalls ein „Vogelschiss" sind. Dieser Appell richtet sich auch an Eltern und Großeltern: Achten wir gemeinsam darauf, dass unsere Kinder und Kindeskinder die Geschichte kennen, aus ihrer lernen, dass sie wissen wollen, was damals war, und das auch vorurteilsfrei vermittelt bekommen. Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung für diese Generationen, damit diese einmal Bürgerinnen und Bürger mit geradem Rückgrat und wachem Blick werden können.

Sehr geehrte Damen und Herren,

traditionell zum Jahresende wird das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen manchmal gar überschwänglich gelobt. Das ist auch richtig so, nur sollten wir es nicht auf das Jahresende beschränken. Anerkennung und Wertschätzung haben sich die Frauen und Männer und die vielen Jugendlichen das ganze Jahr über verdient. Und damit meine ich auch die vielen Selbsthilfegruppen in unserer Stadt. Sie werden gebraucht, und das gibt den Ehrenamtlern sicher auch ein gutes Gefühl. Sie brauchen zudem unsere Unterstützung, selbst wenn diese sich selten in Geld bemessen lässt, denn das widerspricht dem Geist des Ehrenamts.

Nichtsdestotrotz rufe ich an dieser Stelle alle auf, sich weiter ehrenamtlich zu betätigen, sich einzusetzen für die Nachbarn, für Schwächere, für Bedürftige. Und ich füge mit Blick auf das kommende Jahr hinzu: Gestalten Sie Ihre Stadt konkret mit. Interessieren Sie sich für die Aufgaben eines oder einer Stadtverordneten, werden Sie sachkundige Bürgerin oder sachkundiger Bürger in den Ausschüssen und Fraktionen, arbeiten Sie in einem Ortsbeirat mit. Das sind übrigens die wirkungsvollsten Plätze zum Gestalten, aber auch zum Meckern und Mosern.

Vielleicht, lieber Herr Möller, ist Ihnen an dieser Stelle der Übergang nicht ganz recht, aber auch Ihnen gilt unser gemeinsamer Glückwunsch zu Ihrer Wahl als Präsident des Landesverfassungsgerichtes in Brandenburg. Wir verbinden damit die Hoffnung und die Erwartung, dass Sie auch in diesem wichtigen Ehrenamt weiter maßgeblich dazu beitragen, dass Recht und Gesetz im Land geschützt, geachtet, aber eben auch angewendet werden. Gleichzeitig danke ich Ihnen herzlich für Ihr Engagement als unbeirrbarer Stadtverordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Haushalt und Finanzen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

am gestrigen Abend hatten wir hier im Saal den gut besuchten Bürgerdialog zur Gesundheitsversorgung. Zunächst sei mir ein Dank an all jene gestattet, die diese Serie von Gesprächen in diesem Jahr vorbereitet haben. Heute gilt dieser Dank besonders den guten Geistern dieses Hauses, Christine Napp, Torsten Strobach und Jörg Krahl, die den Saal seit gestern Abend für die heutige Stadtverordnetenversammlung hergerichtet und den Laden insgesamt zuverlässig im Griff haben.

Diese Bürgerdialoge sind ein überaus prägender Beweis dafür, dass wir in Cottbus miteinander reden, dass wir uns austauschen zu Problemen in der Stadt, dass wir Dinge geraderücken, Möglichkeiten umreißen, Defizite benennen und Anregungen aufnehmen. Es ist zwar nicht so, dass all das vor dem April nicht möglich gewesen wäre, doch brauchen sich ändernde Umstände auch andere, neue Formen des Gesprächs. Diese Stadtdialoge werden wir deshalb weiterführen, und ich denke, dass sich auch die neuen Stadtverordneten spätestens ab September entsprechend einbringen werden. Jedenfalls hat der sachliche Austausch zur Verständigung beigetragen und das eine oder andere Gerücht entkräftet. Lassen Sie uns so weitermachen. Die Bürgerinnen und Bürger rufe ich auf, uns ihre Vorstellungen, Wünsche und Ideen für die Dialogrunden mitzuteilen. Es geht nicht darum, was die Verwaltung ihnen erzählen will, sondern um das, worüber Sie, liebe Cottbuserinnen und Cottbuser, reden wollen.

Zum Dialog gehören auch die Besuche des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Cottbus. Vor gut einer Woche nutzten viele Cottbuserinnen und Cottbuser die Gelegenheit, mit dem Staatsoberhaupt anlässlich der Benefizaufführung von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" mit dem Filmorchester Babelsberg in der Stadthalle zu reden.

Bevor wir ein neues Jahr ansteuern, möchte ich einige Namen und Begebenheiten erwähnen, die in meinen Augen sehr schön zeigen, wie vielfältig, interessant und geachtet unsere Heimatstadt durch die Cottbuserinnen und Cottbuser und ihre Gäste ist.

Der Name Niklas Füller mag uns derzeit noch nicht viel sagen, aber vielleicht gehört der ehemalige Steenbeck-Schüler bald nicht mehr nur zu Brandenburgs besten Mathetalenten im Bundeswettbewerb dieses anspruchsvollen Faches, sondern wird ein anerkannter Wissenschaftler mit Cottbuser Wurzeln. Anton Haas vom Max-Steenbeck-Gymnasium hat bei den als Weltmeisterschaften in den Naturwissenschaften deklarierten Wettbewerben in Botswana eine Bronzemedaille erkämpft.

Mit Max Budde und Caio Lauxtermann steuerten die Cottbuser Trampolinturner zwei Jugend-Vizeweltmeister zur Erfolgsbilanz bei. Um den Nachwuchs muss uns nicht bange sein – wenn es gelingt, ihm hier Perspektiven zu bieten.

Ich will an dieser Stelle meinen großen Respekt für die SCC-Turner bekunden, auch wenn sie in der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft ohne die greifbare Medaille blieben. Radsport-Trainer Detlef Uibel ist zum „Trainer des Jahres" gekürt und für seine schon Jahre währenden herausragenden Leistungen geehrt worden.

Das Ehrenamt habe ich bereits erwähnt, möchte aber noch hinzufügen: Mit Schiedsfrau Regina Uhlmann, mit Nadine Wolter und Manuel Helbig von der Verkehrswacht, mit Fluglehrer Detlef Albinus und Ihrem Kollegen Stadtverordneten, dem Feuerwehrpräsidenten und Vereinsvorsitzenden Wolfgang Bialas waren Cottbuserinnen und Cottbuser jüngst in die Staatskanzlei geladen und wurden gewürdigt. Wir werden traditionell verdiente Persönlichkeiten aus unserer Stadt anlässlich des Neujahrsempfanges in die Ehrenchronik eintragen. Sportlerinnen und Sportler aus Cottbuser Vereinen haben bei der Wahl der Athleten des Jahres eine herausragende Rolle gespielt. Trixi Worrack, Roger Kluge und Maximilian Levy landeten auf den Medaillenrängen, der FC Energie ist die Mannschaft des Jahres in Brandenburg. Allen gilt mein herzlicher Glückwunsch!

Wir haben uns entschlossen, die Ehrung der Cottbuser Sportler des Jahres künftig auf neue Füße zu stellen. Sie werden nicht mehr per Umfrage ermittelt. Wir wollen die Leistungen aller würdigen, die unsere Stadt international herausragend vertreten haben und dadurch mit dafür sorgen, dass Cottbus bekannt und anerkannt wird. Dieser Ansatz wird allen Athletinnen und Athleten im Rahmen der traditionellen Sportgala im Januar gerechter.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Cottbuserinnen und Cottbuser,

ich wünsche Ihnen allen ein ruhiges, besinnliches und friedliches Weihnachtsfest, erholsame Tage zum Jahreswechsel und einen guten Start in das neue, gewiss herausfordernde Jahr 2019. Lassen Sie uns gemeinsam mutig die Aufgaben angehen, die Probleme besprechen, die Lösungen aushandeln und Ideen konkret und mit Zuversicht umsetzen.

(Es gilt das gesprochene Wort.)