Samstag
18.09.2021 (weitere Termine)

Die Jahre 1914 bis 1918 sind in Europa eng verknüpft mit der Zeit des Ersten Weltkrieges. Millionen von Menschen befinden sich auf den Schlachtfeldern dieses Krieges. Viele von ihnen fallen im Krieg oder geraten in Kriegsgefangenschaft. Allein auf dem Gebiet des Deutschen Reiches befinden sich schlussendlich über 2,4 Millionen Kriegsgefangene. Dass diese Entwicklung auch nicht vor der Stadt Cottbus Halt gemacht hat, das haben wir bereits in einer Sonderausstellung im Jahr 2018 aufgezeigt. Doch die Bestände des Stadtarchives und Stadtmuseums bieten noch zahlreiche weitere Perspektiven auf das Leben in und mit den Cottbuser Kriegsgefangenenlagern. Dies war Anlass für die Entwicklung der digitalen Sonderausstellung »Ankunft auf Zeit. Die Cottbuser Kriegsgefangenenlager von 1914 bis 1924«.

Im Verlauf des Krieges und weit darüber hinaus waren zwischenzeitlich bis zu 20.000 Menschen in den beiden Lagern in Sielow und Merzdorf interniert. Sie kamen von fast allen Kontinenten, brachten ihre Sprache, Kultur und Lebensweise mit nach Cottbus. Um dem von Tristesse geprägten Lageralltag zu entfliehen, entwickeln sie vielfältige kulturelle Angebote, dazu gehören unter anderem mehrere Lagertheater und sportliche Wettkämpfe. Sie verrichten einen Großteil der im Lager anfallenden Arbeit selbst und werden auch außerhalb der Lager zur Arbeit eingesetzt, zum Beispiel in der Landwirtschaft oder im einstigen Stadttheater. Somit strahlen die Lager und die dort internierten Gefangenen auch in den städtischen Raum hinein. Neben diesen Aspekten blickt die Ausstellung aber auch auf Fragen des zum Teil rassistischen Umgangs mit den Gefangenen und auf ihre Sehnsucht nach der Rückkehr in die Heimat.

Mit dem Ende des Krieges endet die Geschichte der Cottbuser Gefangenenlager jedoch nicht. Während die westlichen Gefangenen recht zügig die Lager in Richtung ihrer Heimat verlassen, bleiben die osteuropäischen Gefangenen weiterhin interniert. Neue kommen hinzu. Nunmehr handelt es sich nicht um Kriegsgefangene sondern um Personen, die ganz unterschiedliche Gründe für ihre Internierung haben. Wir reden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr von einem Kriegsgefangenenlager sondern vielmehr von einem Internierungs- oder Abschiebelager für zumeist osteuropäische Gefangene, die in ihrer Heimat vor Pogromen oder einem erneuten Krieg geflohen waren.

All diese Themen haben wir in der digitalen Sonderausstellung »Ankunft auf Zeit« verarbeitet, welche im Netzwerk der Deutschen Digitalen Bibliothek zu finden ist. Dank einer Förderung der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung konnte der Historiker Alexander Valerius für Recherchearbeiten gewonnen werden. Außerdem ermöglichte die Förderung auch die Digitalisierung von circa 500 Fotoplatten aus dem Nachlass des Lagerfotografen Paul Tharan sowie die Erstellung von Begleitmaterial und einer digitalen Stadtführung. Damit konnte auch die Grundlage für eine Ausstellung im Stadtmuseum Cottbus gelegt werden, die ab November gezeigt wird.