„Aussaat” von Matthäus Kossick (1853–1940)

10.03.2010

Samenkörnchen, liegst versteckt,
mild mit Erde zugedeckt.
Wirst einst strahlend frisch erstehn;
auferweckt die Welten sehn,
trägst die Hoffnung und das Glück.

In die Erde eingebracht,
harrst du aus in Wintersnacht.
Schlaf nur unterm Winterkleid,
raue Winde weit und breit,
Hoffnung bringt das Glück zurück.

Sonne streichelt liebevoll,
Saat erwachet hoffnungsvoll.
„Es werde“ tönt`s vom Himmelsraum,
wache auf aus Schlaf und Traum,
Hoffnung trägt der Hoffnung Glück.

Seh dich leuchtend grün erblühn,
spür durch dich mein Herz erglühn;
aj, streckst Blüten schon hervor,
öffnest dir die Welt das Tor;
Hoffnung wird erfülltes Glück.

Matthäus Kossick/Mato Kosyk, der Klassiker der niedersorbischen Literatur, wurde 1853 in Werben geboren. Er besuchte von 1859 bis 1873 die Schule in seinem Geburtsort und das Gymnasium in Cottbus. 1883 wanderte Kosyk nach Amerika aus. In Springfield und dann am Deutschen Seminar in Chicago studierte er Theologie. Er bekleidete mehrere Pfarrstellen, die letzte von 1908 bis 1913 in El Reno/Oklahoma. Seinen Ruhestand verbrachte er in Albion/Oklahoma. Kosyk blieb seiner niedersorbischen Heimat stets verbunden. Die Nachricht von seinem Tod 1940 gelangte erst nach Kriegsende, 1947, in die Lausitz.

„Aussaat“ entstand 1882 in Werben. Die deutsche Übersetzung schrieb Peter Jannasch. Aus: Matthew Kossick/Mato Kosyk/Matthäus Kossick: Basni-Gedichte-Poems. deutsch: Pětš Janaš; englisch: Roland Marti. Edition Blumbawka. Cottbus, Saarbrücken 2003.

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Foto: Foto: Elvira Fischer
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