Bis zum 28. Februar 2010 im Stadtmuseum Cottbus: „Born In The GDR - Jugendkultur in den 1980er Jahren“

30.09.2009

In seiner aktuellen Ausstellung widmet sich das Cottbuser Stadtmuseum dem 20. Jahrestag der Wende. Mit einem Blick auf die kulturelle Entwicklung in Cottbus in den 1980er Jahren wird der Versuch unternommen zu hinterfragen, welche Entwicklungen zu den Veränderungen 1989/90 beigetragen haben.

Ein wesentliches Element für die damalige Offenheit war die Ausbildung einer alternativen Kulturlandschaft. In Cottbus waren es vor allem Musiker und Bildende Künstler, die neue, nicht genormte Wege beschritten. Dazu gehörten Musikgruppen wie WK 13 und Sandow, aber auch die Aktionen um Hans Scheuerecker und die Gründung der Marie 23 als alternativen Kunstort. Die Künstler erwiesen sich als treibende Kraft für neue Ideen und öffneten so den Blick für Neues. Die Ausstellung des Stadtmuseums betrachtet dabei den Zeitraum zwischen der Mitte der 1980er und der Mitte der 1990er Jahre. Es geht dabei um die Strukturen und Einbindungen, die Widersprüche am Ende der DDR, die Vitalität und Eigenständigkeit der neuen Kunstszene und deren künstlerische Entwicklungen unter den neuen Bedingungen nach dem 3. Oktober 1990.

Der Blick auf die 1980er Jahre wird bestimmt von den allgemeinen Rahmenbedingungen in der damaligen DDR. Die Ideologisierung des Schul- und Bildungssystems in den Unterrichtsfächern Heimatkunde, Staatsbürgerkunde und Geschichte ist dabei nur ein Beispiel. Die offizielle Kulturpolitik war geprägt vom Widerspruch, einerseits den Wünschen der Partei- und Staatsführung gerecht zu werden, andererseits aber auch jugendliche Kreativität und Eigendynamik auszuhalten. Musik war dabei eines der Felder, das für die Jugendlichen eine besondere Attraktivität besaß. Schallplatten aus DDR-Produktion, Radios und Kassettenrecorder gehörten in jedes Jugendzimmer, jedoch fanden sich erst ab 1988/89 hier auch Aufnahmen jener Musikgruppen, die gegen Ende der DDR unter dem Label „Die anderen Bands“ im Radio gespielt wurden. Zu diesen zählten die Cottbuser Gruppen „WK 13“ und „Sandow“, deren künstlerische Biografien hier als Beispiel vorgestellt werden.

Auch in Cottbus hatte sich in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre eine beachtliche alternative Szene gebildet: Es gab Bluesfans; eine besondere Rolle spielten die Jazzfreunde in der Region, aber auch Hippies, Punks und Skinheads waren im Stadtbild zu sehen. Einerseits drückten die Jugendlichen hier den Generationskonflikt aus, andererseits suchten sie damit Rückzugsgebiete und selbstbestimmte Lebensformen. Sie hatten den hohl gewordenen Idealen des DDR-Selbstbildes abgeschworen und verstanden sich durchaus als fälliger Protest gegen das Disziplin-Regime des marode gewordenen Staates DDR.

Mit dem Blick auf das Ende der DDR erwies sich auch die Cottbuser Opposition als wichtiges Moment für die Ereignisse im Herbst 1989. Bereits 1987 wurde eine Umweltgruppe gegründet, die DDR-weit vernetzt war. Aus dieser Umweltgruppe entwickelte sich eine, wie die Stasi schrieb, der gefährlichsten Oppositionsgruppen im Bezirk Cottbus. Von hier aus wurden die Demonstrationen mitorganisiert, hier war die Keimzelle der Bürgerrechtsbewegung in Cottbus.

Der zweite Teil der Ausstellung ist der Cottbuser Gruppe Sandow gewidmet. Mit dem Versuch, fragmentarisch und ausschnittweise eine Gruppe der jungen Künstler der 1980er Jahre zu porträtieren, soll der Bogen bis in die Gegenwart gespannt werden. Ausgangspunkt gerade dieser Musiker war, eine andere Kultur leben zu wollen und den Staat DDR eher nicht infrage zu stellen. Und doch gerieten die Cottbuser Künstler ins Visier der Stasi, wurden überwacht und kontrolliert. Ihre Aktivitäten, die zudem ein großes und junges Publikum anlockten, wurden misstrauisch beschrieben. In einem Stasi-Bericht über das Konzert in Doberlug-Kirchhain 1988 heißt es u. a., dass Teile des Konzerts ein negatives Bild der DDR zeichnen. In einem weiteren Abschnitt werden die Lieder der Gruppe beschrieben; so wird von einem Lied „Bohren in der DDR“ berichtet. Es ist gerade dieses Lied von „Sandow“, das bis heute zu den 100 wichtigsten Politsongs gerechnet wird. Es entstand als direkte Antwort auf das Bruce-Springsteen-Konzert 1988 in der DDR, bei dem hunderte FDJler und andere systemtreue Konzertbesucher begeistert „Born in the USA“ mitsangen. Mit dem Blick auf die Künstler der Gegenwart schließt sich der Kreis der Ausstellung, auch um deutlich zu machen, dass ihre heutige Kunst eine lange Vorgeschichte hat.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in der Schriftenreihe des Stadtmuseums. Seine Präsentation erfolgt voraussichtlich im November 2009.

Öffnungszeiten des Stadtmuseums:

Dienstag bis Freitag von 11:00 bis 17:00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 13:00 bis 17:00 Uhr

Anfragen zu Führungen richten Sie bitte an das Stadtmuseum Cottbus, Bahnhofstraße 52, 03046 Cottbus, Telefon 0355/ 380 77 0 oder 0355/ 380 77 14

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