Aus dem Bericht von Oberbürgermeister Frank Szymanski auf der 2. Tagung der Stadtverordnetenversammlung in der V. Wahlperiode am 12. November 2008
"Die Eintragung der Medaillengewinner und Teilnehmer der Olympischen Spiele und der Paralympics in Peking in das „Goldene Buch“ der Stadt Cottbus und die Enthüllung der Medaillen der Olympiagewinner auf dem „Weg des Ruhmes“ am vergangenen Mittwoch gestaltete sich für die Sportlerinnen und Sportler und für die Gäste zu einem schönen Höhepunkt. Es war für alle Teilnehmer ein bewegender Moment, als die Silbermedaillengewinnerin der Paralympics im Diskuswurf, die Schülerin der Lausitzer Sportschule Frances Herrmann, und ihre beiden Sportfreunde Roger Kluge und Maximilian Levy, die Silber im Punktefahren und Bronze im Teamsprint der Olympischen Spiele im Velodrom von Laoshan erkämpften, das rote Tuch entfernten und ihre bleibenden Medaillen auf dem “Weg des Ruhmes“ zum Vorschein kamen. Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die „Vorbereiter“ dieser Veranstaltung, dem Vorstand der „Stadtgruppe der Deutschen Olympischen Gesellschaft“, der Sparkasse Spree-Neiße sowie all denen, die aus unserer Verwaltung daran mitgewirkt haben."
„Das 18. Cottbuser Filmfestival ist gestern glanzvoll eröffnet worden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier begIückwünschte das nach der Berlinale zweitwichtigste deutsche Filmfestival zur Volljährigkeit. Unser Cottbuser Filmfestival demonstriere seit achtzehn Jahren eine respektvolle und ergebnisreiche Zusammenarbeit deutscher und osteuropäischer Filmkünstler, die von der Politik erst noch erreicht werden muss. Mit 18 unter den 50 Besten der Welt zu sein, ist schon eine tolle Leistung. Der heutige Mittwoch ist der „Russische Tag“ des Festivals. Er ermöglicht einen unsentimentalen Blick in das Russland unserer Tage. Die 450 Fachleute aus allen Kontinenten dieser Erde sind des Lobes voll über die kulturellen Bemühungen hier in der Niederlausitz. Cottbus, so der Tenor der Gäste aus aller Welt, hat viel zu bieten. Aber unser Filmfestival steht mit seinem internationalen Ruf und mit seiner Resonanz unzweifelhaft an erster Stelle. Über die Novembertage in Cottbus spricht man in Prag und Moskau, in Mittelasien und im Kaukasus!“
„Zum Schuljahresbeginn wurden drei größere Schulbaumaßnahmen fertiggestellt und durch die Schüler und Lehrer wieder in Besitz genommen. Dabei wurden Förderprogramme des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport und des Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung mit Eigenmitteln der Stadt Cottbus kombiniert, so dass die Schulen komplett saniert werden konnten. Im Einzelnen betrifft das:
- Erstens den Umbau und die Sanierung des Hauses B der Regine-Hildebrandt-Grundschule in der Theodor-Storm-Straße in Cottbus-Sachsendorf. Das Gebäude beherbergt eine Kindertagesstätte für Kinder ab drei Jahre, Räume für den Schulunterricht, für den Ganztagsbetrieb und für die Hortnutzung. Die Gesamtinvestition beträgt 2.179 T€, davon 860 T€ Eigenmittel.
- Zweitens die Sanierung der denkmalgeschützten Paul-Werner-Oberschule in der Bahnhofstraße. Die Gesamtinvestition beträgt 4.393 T€. Die Finanzierung des Innenbereiches erfolgte hier über ein zinsloses Darlehen im Rahmen des Bundesinvestitionsprogramms Zukunft, Bildung und Betreuung. Damit stehen den Schülern und Lehrern neben modernisierten Unterrichtsräumen auch bessere Möglichkeiten zur Umsetzung des pädagogischen Ganztagsschulkonzeptes zur Verfügung.
- Drittens die Fertigstellung des Ganztagsfunktionsgebäudes der Lausitzer Sportschule als ersten Bauabschnitt im Sporthallenbereich. Hier betrug die Investition 985 T€, davon 197 T€ Eigenmittel.
Noch im Bau mit dem Ziel der Fertigstellung zum Schuljahresbeginn 2009/2010 sind das Grundschulzentrum in Sandow mit der Sporthalle und der Public-Private-Partnership-Investition Schulgebäude. Weiterhin wird an der Fassade der Theodor-Fontane-Gesamtschule und am Schulgebäude des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums gearbeitet. In der Regel wurden die Bauvorhaben kleinteilig ausgeschrieben, um den ortsansässigen Firmen die Möglichkeit zur Teilnahme am Wettbewerb zu geben.“
„Im Ausschuss Wirtschaft, Bau und Verkehr, den ich gern als Strategieausschuss betrachte, werden wir jetzt die Vorhaben Bahnhofsvorplatz mit dem Busbahnhof, die Bahnhofstraße, das Stadtforum mit dem neuen Kinder- und Jugendtheater und den 2. Bauabschnitt des Blechen-Carrès im Zusammenhang diskutieren. Hier bietet sich die Riesenchance, dies alles nicht nur in einem Wurf zu diskutieren, sondern auch zu realisieren.“
„Vor sechs Wochen feierten wir den einhundertsten Geburtstag unseres Theaters, des Staatstheaters des Landes Brandenburg. Mit diesem Haus am Schillerplatz besitzen wir ein Erbe, das in mehrfacher Hinsicht einmalig ist. Der Jugendstilbau ist ein architektonisches Kleinod. Das Haus haben sich die Bürgerinnen und Bürger selbst geschaffen. Die damalige Million stammte aus dem kommunalen Haushalt. Für die Ausstattung gab es reichlich Stiftungen und Spenden von kunstsinnigen Cottbusern. In den stürmischen Wendezeiten war das Theater selbst Ausgangspunkt für Veränderungen. In all den Jahrzehnten stand die Stadt stets zu ihrem Theater; seit den frühen neunziger Jahren gehört auch das Land Brandenburg zu den wichtigsten Förderern. Die Cottbuserinnen und Cottbuser sind stolz auf das Große Haus am Schillerplatz. Nun, da es nach erfolgreicher Sanierung in neuem Glanz erstrahlt, ist es erst recht der kulturelle Mittelpunkt der Stadt. Hier werden nicht nur Opern-, Schauspiel- und Ballettaufführungen erlebt, sondern auch Kontakte gepflegt, Gäste empfangen und glanzvolle Feste gefeiert. Das Staatstheater in der Mitte unserer Stadt ist ein Theater in der Mitte unserer Gesellschaft. Es spielt für alle Generationen und pflegt ein vielfältiges Angebot für Kinder und Jugendliche, begleitet von einer engagierten Theaterpädagogik. Der Bundespräsident bezeichnete es zur Festveranstaltung zu Recht als gelungenes Beispiel für den Aufbau und den Aufbruch in der deutschen Theaterlandschaft.“
„Die lange Nacht der kreativen Köpfe am 18. Oktober hat den guten Erfolg des Vorjahres übertroffen. Die vielen guten Ideen und Programme und die Kreativität von 20 Einrichtungen sind der Grund, dass 3777 Besucher glücklich durch die Nacht gekommen und sicherlich auch klüger geworden sind. Das lodernde Schmiedefeuer vor dem Oberstufenzentrum, die akustischen Studien in der Klosterkirche und die Zeitreise der Wenden im Niedersorbischen Gymnasium waren lehrreich, gaben Einblicke in das geistige Leben und regten sicherlich manchen an, selbst aktiv und kreativ zu sein. Eine Nacht der kreativen Köpfe mit dem Schwerpunkt „Sport und Wirtschaft“ 2009 ist sicherlich für die klugen Cottbuserinnen und Cottbuser eine spannende Herausforderung. In einer Sportstadt wird es an Ideen nicht fehlen. Schon jetzt lade ich die Aktiven und die Funktionäre des Hochleistungssports, die Mitglieder der Sportvereine und die Verantwortlichen des Schulsports ein, Vorschläge und Ideen für das nächste Jahr einzubringen.“
„Seit dem 3. November 2008 ist das Leitungsteam der Fürst-Pückler-Stiftung Park und Schloss Branitz wieder komplett. Mit Gert Streidt konnte ein versierter Direktor gewonnen werden, der seine reichen Erfahrungen aus der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und beim Aufbau des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte einbringt. Als neuer Parkleiter ist Claudius Wecke tätig. Er hat in Dresden Landschaftsarchitektur studiert und für seine Diplomarbeit zur Parkanlage in Brody (Pförten) die Sonja-Bernadotte-Medaille für Gartenkultur erhalten. Nach dem Studium war Claudius Wecke in der Gartendenkmalpflege der Muskauer Parkanlage tätig. Mein ganz besonderer Dank geht an Matthias Zickora für seine jahrelange umsichtige Wahrnehmung der Vertretung der Direktorenposition. Leistungen wie die Sanierung und Inbetriebnahme der Gutsökonomie, um nur die wichtigste zu nennen, oder die Neugestaltung der Schlossbibliothek zu einem lebendigen Ausstellungsort - anlässlich des Pückler-Geburtstages am 30.Oktober der Öffentlichkeit übergeben - machen deutlich, wie Branitz unter der Interimsführung von Matthias Zickora weiter an Profil und Ausstrahlung gewonnen hat.“
„Am vergangenen Sonntag gedachten fünfhundert Cottbuserinnen und Cottbuser jener Nacht, als auch in unserer Stadt jüdische Mitbürger überfallen wurden. Am 9. November 1938 wurde die Cottbuser Synagoge gestürmt, dann angezündet, der jüdische Friedhof in der Dresdener Straße geschändet, zahlreiche jüdische Geschäfte geplündert, zerstört oder in Brand gesetzt. Die Mörderbande, die in Berlin regierte und auch in Cottbus ihre Helfershelfer besaß, ließ ihre Maske fallen und begann mit dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, der Vernichtung der Juden. Die Teilnehmer der Cottbuser Veranstaltung gedachten eines Tages der Schande für unsere Stadt. Nicht nur wegen der Verbrechen der faschistischen Machthaber. Es war auch ein Tag der Schande, weil sich die übergroße Mehrheit der Cottbuserinnen und Cottbuser damals für das Wegsehen entschied. Die stattliche Teilnehmerzahl, die engagierte Mitwirkung der neu entstandenen Jüdischen Gemeinde und besonders die Beiträge der Schüler unserer Stadt waren ein gutes Signal. Die Bürgerinnen und Bürger verabredeten am Sonntag: „Wir mischen uns ein, wenn die Rechte von Minderheiten und die Menschenwürde bedroht werden. Jeder ist mitverantwortlich im Kampf gegen Rechtsextremismus. Ein mehrheitliches Wegsehen wie 1938 darf es nie wieder geben!“
Zum Volkstrauertag lade ich alle Stadtverordneten und natürlich alle Bürgerinnen und Bürger ebenfalls zur Gedenkveranstaltung ein. Sie findet an diesem Samstag um 14:00 Uhr statt. Der Beginn ist diesmal auf dem Nordfriedhof.“