Stadtumbau - Anlass und Stand
Faltblätter zum Stadtumbau in Cottbus
- Sachsendorf / Madlow - Stadtteil mit Zukunft (PDF / 7.01 MByte / 10.10.2006)
- Stadtumbaukonzept Fortschreibung 2005 (PDF / 4.94 MByte / 10.10.2006)
Stadtumbau ist Stadtentwicklung
Der Stadtumbau ist heute in aller Munde, er war jedoch schon immer eine Aufgabe der Stadtentwicklung. Im Laufe ihrer Geschichte haben sich die Städte immer wieder „neu erfinden“, d.h. den veränderten Rahmenbedingungen anpassen müssen, sei es durch Bevölkerungsgewinn bzw. -verlust, Industrialisierung oder Veränderungen im Verkehrswesen.
Nach einer mehrere Jahrzehnte dauernden Phase des Wachstums verlieren heute viele Städte in Deutschland wieder Einwohner. Die Ursachen sind niedrige Geburtenraten bei gleichzeitig ansteigenden Sterberaten und die Abwanderung von Einwohnern in andere Regionen oder das Umland. Dies stellt für die Städte eine ungewohnte Herausforderung dar, sind sie doch lange von einem stetigen Wachstum ausgegangen.
Das Phänomen der Schrumpfung betrifft die Mehrzahl der Städte im Osten und auch viele Städte im Westen. Allerdings läuft der Prozess in den neuen Bundesländern aufgrund des abrupten Strukturwandels schneller ab. Im Umgang mit dem Stadtumbau können die ostdeutschen Städte daher eine Vorbildfunktion einnehmen.
Die Herausforderung im Stadtumbauprozess stellt vor allem die Anpassung der ausgebauten Stadt- und Infrastruktur an verringerte und veränderte Bedarfe dar.
Das "Kleid der Stadt" muss gekürzt und verändert werden, um zu passen. Das hat über den Wohnungsmarkt hinaus Auswirkungen auf alle Bereiche der Stadt, wie z.B. Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, Verkehrsanlagen, Gewerbestandorte und die stadttechnische Infrastruktur.
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Wir sind auf dem Weg
Aufgrund der durch anhaltenden Bevölkerungsverlust veränderten Vorzeichen wurde mit dem Stadtumbaukonzept im Jahr 2002 der Start der gesamtstädtischen Stadtumbauplanung vollzogen. In den vergangenen vier Jahren hat Cottbus einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der Stadtumbauprozess wird durch den Bund und das Land mit dem Förderprogramm „Stadtumbau Ost - für lebenswerte Städte und attraktives Wohnen“ gefördert. Voraussetzung für die weitere Förderung der Konzepte und der Stadtumbaumaßnahmen ist die Fortschreibung bzw. Aktualisierung des bestehenden Stadtumbaukonzeptes. Im Jahr 2006 wird den Stadtverordneten die 1. Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes zur Beschlussfassung vorgelegt. Diese stellt eine Überprüfung, Modifizierung und Vertiefung der verfolgten Strategie dar. Ziel des Konzeptes war und ist es, der drohenden Aushöhlung und Zergliederung der Stadtstruktur durch einen unkontrollierten Schrumpfungsprozess entgegenzuwirken. Die Strategie sieht vor, das innere Stadtgebiet durch Aufwertung seines Wohnungsbestandes, der Straßen und Plätze, der Grünanlagen und öffentlichen Einrichtungen zu stabilisieren und das äußere Stadtgebiet zu aufgelockerten durchgrünten Wohngebieten umzubauen, um so den strukturellen Wohnungsüberhang zu reduzieren. Die Aufwertung der inneren Stadt wird im Bereich des Modellstadtgebietes bereits seit 1991 verfolgt. Mit dem Beginn des Stadtumbaus in Sachsendorf-Madlow wurde 2001 der Umbau des äußeren Stadtgebietes eingeleitet. |
![]() Cottbus - Auflösung oder Konzentration |
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Bevölkerungsrückgang
Die Bevölkerungsentwicklung ist seit mehreren Jahren rückläufig. Sie wird beeinflusst durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung (Geburten und Sterbefälle) sowie durch Zu- und Abwanderung. Die Einwohnerzahl von Cottbus lag im Jahr 2004 bei 105.400. Die Bevölkerungsprognose der Stadt sagt einen Rückgang bis 2020 auf ca. 87.000 Einwohner voraus. Die rückläufige natürliche Bevölkerungsentwicklung ist ein bundesweiter Trend. In Cottbus werden pro Jahr 300-400 Personen weniger geboren als sterben, die Differenz wird sich weiter vergrößern. Durch Abwanderung hat die Stadt in den vergangenen Jahren ebenfalls große Verluste erlitten. Ein großer Teil der Bewohner zog aus Cottbus in das Umland. Im Gegensatz zur Stadt Cottbus haben fast alle Umlandgemeinden Einwohnerzuwächse zu verzeichnen. Der Grund ist meist der Wunsch nach einem Eigenheim, der sich oft nur fern der Innenstadt zu bezahlbaren Preisen erfüllen lässt. Durch Umzüge innerhalb der Stadt hat die Innenstadt Einwohner gewonnen. Dies ist ein Zeichen für den Erfolg der Innenstadtaufwertung und des aktiven Umzugsmanagements im Rahmen des Stadtumbaus. |
![]() Einwohnerentwicklung 1960 bis 2020 |
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Veränderung der Altersstruktur
Mit der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung verändert sich auch die Altersstruktur. Aufgrund des Geburtenrückgangs und des kontinuierlichen Alterns geburtenstarker Jahrgänge wird der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten ansteigen. Deutlich wird dies am Anstieg des Durchschnittsalters der Cottbuser von 37,9 Jahren im Jahr 1996 auf 42,6 Jahre im Jahr 2004. Im Jahr 2020 wird es voraussichtlich bei 47,8 Jahren liegen. Dadurch verändern sich auch die Bedarfe der Bevölkerung, worauf die Stadt sich schon heute einstellen muss: Es werden mehr Freizeit- und Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen benötigt und kurze Wege vom Wohnort zu Versorgungs- und Dienstleistungseinrichtungen müssen erhalten bleiben. Der Wohnungsmarkt muss ein ausreichendes Angebot an bezahlbaren barrierefreien und altengerechten Wohnungen zur Verfügung stellen. Trotz des Bevölkerungsrückgangs wird es weiterhin einen Bedarf für neuen Wohnraum geben. Dies liegt zum einen an veränderten Ansprüchen an die eigene Wohnung. Im Alter werden z.B. andere Wohnungsarten nachgefragt als in jungen Jahren. Zum anderen entsteht durch den anhaltenden Trend zur Haushaltsverkleinerung und das damit einhergehende Ansteigen der Wohnflächenversorgung pro Kopf auch eine quantitative Nachfrage. |
![]() Grafik Altersstruktur |
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Leerstand konzentrieren - Stadtteile stabilisieren
Durch Aufwertung und aktive Vermarktung wird versucht, den Leerstand in den zentralen Lagen der Stadt zu verringern. Erfolge gibt es schon in der Innenstadt und in der Spremberger Vorstadt. Beide Stadtteile sind als Wohngebiete attraktiv, Bewohner ziehen zu. Gleiches gilt für Sachsendorf-Madlow. Hier wird der Leerstand am südlichen Rand konzentriert, um die Mitte an der Gelsenkirchener Allee zu stabilisieren. Das Zentrum konnte wieder attraktiver gestaltet werden. In Neu-Schmellwitz und Sandow ist der Leerstand bislang insgesamt angestiegen, so dass hier Handlungsbedarf besteht. Mit der konsequenten Konzentration auf stabile Siedlungskerne kann sich die Stadt auf mögliche weitere Rückbaumaßnahmen nach Abschluss des bis 2010 geplanten Rückbaus vorbereiten. |
![]() Karte Wohnungsleerstand |
Bewegung beim Rückbau
Seit 2000 wurden durch die Wohnungsunternehmen GWC und GWG ca. 3.800 Wohnungen rückgebaut, das entspricht über 40 % des bis zum Jahr 2010 geplanten Wohnungsrückbaus von 8.800 Wohnungen. Am Rückbau können sich aufgrund der Förderbedingungen derzeit nur diese beiden Wohnungsunternehmen beteiligen.
Vom Rückbau betroffen ist in erster Linie der Wohnungsbestand, der nicht nur wegen des Bevölkerungsrückgangs, sondern auch wegen seiner Lage oder seines Typs nicht mehr nachgefragt wird. Der Schwerpunkt des Rückbaus war bislang das Wohngebiet Sachsendorf-Madlow.
Bisher konnte der Rückbau den Wohnungsleerstand noch nicht ausgleichen. Die Ursachen liegen einerseits in dem bereits 2001 vorhandenen hohen Leerstand und dem andererseits erforderlichen gründlichen und damit langwierigen Planungsvorlauf.
Die Wohnungsunternehmen betreiben ein aktives Umzugsmanagement. Dabei erhalten Mieter, die vom Rückbau betroffenen sind, Ersatzwohnungen in anderen Gebäuden und Unterstützung beim Umzug.
Auch in Zukunft wird immer Bedarf zur Erneuerung des Wohnungsangebotes und zum Rückbau bestehen.
Förderprogramm Stadtumbau Ost
Anlass für die Einführung des Programms waren die ab den 90er Jahren auf Grund des wirtschaftlichen und demografischen Wandels zunehmenden, erheblichen Wohnungsleerstände in den neuen Ländern. Das Programm Stadtumbau Ost hat zum Ziel, die Attraktivität ostdeutscher Städte und Gemeinden als Orte des Lebens und Arbeitens zu stärken und die Wohnungsmärkte zu stabilisieren. Für den Stadtumbau werden in den Jahren 2002 bis 2009 insgesamt 2,5 Mrd. Euro von Bund, Ländern und Gemeinden bereitgestellt. Das Programm umfasst die Erarbeitung von integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten, Maßnahmen zum Rückbau leer stehender Wohngebäude auf der Grundlage der städtebaulichen Entwicklungskonzepte und Maßnahmen zur Aufwertung von Stadtquartieren, ebenfalls auf der Grundlage der städtebaulichen Entwicklungskonzepte.



