10 Handlungsfelder für eine lebenswerte, tolerante und weltoffene Stadt Cottbus

Erklärung der Stadtverordnetenversammlung Cottbus in ihrer Sitzung am 25.06.2008

Die Stadtverordnetenversammlung Cottbus erklärt die folgenden 10 Handlungsfelder für eine lebenswerte, tolerante und weltoffene Stadt Cottbus zur verbindlichen kommunalen Richtungsvorgabe.

Lage und Ziel

Cottbus braucht Weltoffenheit und ein Klima der Toleranz und Sicherheit. Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt im öffentlichen Raum sind nicht akzeptabel und mit diesem Anspruch unvereinbar. Sie verunsichern Bürgerinnen und Bürger, schaden dem Ansehen der Stadt und senken deren Lebenswert. Es bedarf des energischen und vor allem koordinierten Gegensteuerns mit breitem Ansatz.

Um alle verfügbaren Potenziale zu nutzen, hat sich die Stadt Cottbus zum strukturierten und lokal abgestimmten Vorgehen entschlossen. Konzeptionelle Grundlage wird der Cottbuser Aktionsplan sein. Dieser soll in einer breiten Debatte mit den Akteuren vor Ort abgestimmt werden.

Ausgehend von einer Situationsanalyse werden Handlungsfelder benannt, die sich entlang der erkannten Probleme orientieren. Diese Handlungsfelder umfassen Projekte, Maßnahmen und Aktionen mit identischem Ziel oder übereinstimmenden Zielgruppen. Sie bieten den Akteuren eine Arbeitsebene für vernetztes Handeln. Daraus sich ergebende Synergieeffekte geben Raum für zusätzliche Aufgaben im Sinne der Zielerreichung. Die Förderung stärkerer Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt sowie ihren zivilgesellschaftlichen, demokratischen Werten und Strukturen steht hierbei im Mittelpunkt. Eine ermutigte Bürgerschaft muss als Kraft zur massiven Gegenwehr gegen das weitere Vordringen rechtsextremistischer Organisationen und demokratiefeindlicher Infiltration aufgebaut und genutzt werden. Der Titel des in Arbeit befindlichen Cottbuser Aktionsplanes nennt kompakt das Ziel: „Lebenswert, tolerant und weltoffen“.

Lebensqualität wird maßgeblich über das gesellschaftliche Klima wahrgenommen. Ohne Frage ist es der städtischen Entwicklung zuträglich, wenn eben dieses Klima stimmt. Potenziale entfalten sich am besten, wenn der Lebens- und Wirtschaftsraum offen ist für die Vielfalt des Geistes und der Kultur. Dumpfer Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz oder gar Gewalt wirken zerstörend. Biografien können zum Nachteil verändert werden und dazu führen, dass Menschen die Stadt oder Region meiden oder verlassen. Insbesondere junge Menschen müssen angeregt werden, einen aktiven und weltoffenen Bürgersinn zu entwickeln. Das ist klar zukunftsweisend, weil damit die künftig Gestaltenden erreicht werden.

Handlungsfelder

Folgende zehn Handlungsfelder werden als Rahmen für Aufgabenstellungen zur Umsetzung des Cottbuser Aktionsplanes fixiert. Einzubeziehen sind möglichst viele Projekte, Maßnah-men und Aktionen in der Stadt, unabhängig davon, ob bereits etablierte oder neue Akteure damit beschäftigt sind bzw. Tätigkeiten planen. Die Handlungsfelder haben orientierenden Charakter und zielen nicht auf eine Administration der Akteure ab. Sie ermöglichen jedoch durch Abgleich und Bündelung eine Verbesserung von Wirkungsintensität und Wirkungsbreite. Mittelfristig sollte die Einordnung in die lokal abgestimmten Schwerpunkte auch zum Maßstab bei der Bewilligung öffentlicher Fördermittel werden.

Die Handlungsfelder sind kommunale Richtungsvorgaben, die durch Aufgaben zu untersetzen sind. Durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung erfolgt deren Autorisierung.

Handlungsfeld 1 - Bürgerschaftliches Engagement stärken

  • Gesellschaftliche Mitte gewinnen und mobilisieren
  • Zusätzliche Potenziale erschließen
  • Angebote zur Förderung des sozialen Zusammenhalts, der eigenen Identität und des regionalen Bezugs schaffen bzw. bekannt machen
  • Integration durch bürgerschaftliches Engagement, Schaffung von Gestaltungsräumen und Übernahme von Verantwortung fördern
  • Bedarfe erfassen und regulieren
  • Verknüpfung mit dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“

Handlungsfeld 2 - Eltern, Kitas und Schulen erreichen und mobilisieren

  • Eltern erreichen und Kooperationen aufbauen
  • anknüpfen an kindliche Unvoreingenommenheit
  • Wissensvertiefung durch außerschulische Kompetenzträger
  • lokale Bezüge herstellen in Gegenwart und Vergangenheit
  • Angebote unterbreiten, Chancen aufzeigen, Lebensplanung unterstützen

Handlungsfeld 3 - Wertediskussion führen

  • gesellschaftliche Werte vermitteln
  • „Wir-Gefühl“ vermitteln und stärken
  • Rechte und Pflichten in der Gesellschaft bewusst machen
  • Vorbilder und lokale Biografien bekannt machen

Handlungsfeld 4 - Mit antidemokratischen Argumenten und Strukturen auseinandersetzen

  • inhaltliche Auseinandersetzung verstärken und in Aktionen einbinden
  • Ortsverbände der demokratischen Parteien, Gewerkschaften, Kammern und Verbände gewinnen
  • Schaffung von Strukturen zur schnellen Reaktion auf antidemokratische Aktionen
  • unverzügliche Beseitigung rechtsextremistischer Propaganda
  • Zivilcourage stärken durch „Gesicht zeigen“

Handlungsfeld 5 - Weltoffenheit fördern

  • Fremdenfeindlichkeit bekämpfen
  • Wissen über andere Kulturen und hier lebende Migranten vermitteln sowie interkulturelle Begegnungen fördern
  • interkulturelle Kompetenzen vermitteln
  • Integrationshemmnisse ermitteln und abbauen
  • Willkommensein für Zugereiste sichtbar machen

Handlungsfeld 6 - Jugendkulturen und Jugendinitiativen unterstützen

  • Lebensentwürfe junger Menschen aufzeigen z.B. „Woher komm ich, wer bin ich, was mach ich und wohin will ich?“
  • Angebote unterbreiten, Jugendkultureinrichtungen unterstützen und erhalten
  • interkulturelle Arbeit in Jugendclubs und -treffs fördern

Handlungsfeld 7 - Toleranz und Gewaltprävention fördern

  • Mut zur Zivilcourage stärken und gesellschaftlich anerkennen
  • Opfer und Opferhilfsorganisationen unterstützen
  • Migrantenorganisationen unterstützen
  • Konfliktmanagement trainieren und Grenzen aufzeigen
  • Projekte gegen Gewalt und rechtsextremistisches Gedankengut in Sport, Schule und Freizeit fördern

Handlungsfeld 8 - Ordnung und Sicherheit verbessern

  • Identifizierung der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt und Gesellschaft stärken
  • bürgerschaftliches Engagement als Gegenkraft fördern
  • Maßnahmen für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum entwickeln

Handlungsfeld 9 - Chancengleichheit sichern

  • Existenzgrundlagen von sozial Benachteiligten und Menschen mit Handicap verbessern
  • Zugänge zur beruflichen Ausbildung und beruflichen Eingliederung Benachteiligter schaffen
  • barrierefreien Eintritt zu allen Einrichtungen schaffen

Handlungsfeld 10 - Öffentlichkeitsarbeit verstärken

  • Medien für regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit zu Themen des Cottbuser Aktionsplanes gewinnen
  • regelmäßiger Bericht des Oberbürgermeisters zur Umsetzung des Cottbuser Aktionsplanes
  • den Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fördern
  • öffentliche Räume für die Kommunikation schaffen
  • Geschichte anschaulich darstellen
  • Bürgerinnen und Bürger zeigen Gesicht
  • „Wir-Gefühl“ vermitteln
Link zur Homepage
Dokument zum Download:
10 Handlungsfelder für eine lebenswerte, tolerante und weltoffene Stadt Cottbus (PDF / 17.75 KByte / 26.06.2008)